Der erste Ton von "An der schönen blauen Donau" erklang. Das Publikum fing schon zu applaudieren an. Doch da machten sie die Rechnung ohne Yannick Nézet-Séguin. Er deutete den Philharmonikern, dass sie aufhören sollen. Ein Raunen ging durch den Saal. Was ist passiert?
Mit einem breiten Lächeln drehte sich Nézet-Séguin zum Publikum und beruhigte: "Keine Sorge, wir werden es spielen." Doch bevor die Musikerinnen und Musiker loslegten, nahm der Maestro sich einen Moment für eine persönliche Botschaft.
Er erinnerte an die Worte seiner Mutter: "Freundlichkeit ist das Wichtigste auf der Welt. Und gerade heute wünsche ich der ganzen Welt ein wenig mehr Freundlichkeit. Immerhin leben wir alle gemeinsam auf diesem einen Planeten."
Dann hob er die Stimme, wünschte allen ein herzliches "Prosit Neujahr" – und erst danach erklang endlich der Donauwalzer.
Dabei dirigierte Nézet-Séguin wieder ohne Pult und ohne Dirigierstock, wie schon während des gesamten Konzerts, und begeisterte die Zuschauer weltweit mit seiner unkonventionellen, lebensfrohen Art.
Der Frankokanadier setzte damit erneut ein Zeichen: Klassik kann traditionsbewusst und gleichzeitig lebendig, modern und charmant sein. Silber lackierte Nägel, Flinserl im Ohr und ein Herz für Freundlichkeit – so startet das neue Jahr unter den Klängen der Wiener Philharmoniker.