Er macht alles anders

Kein Pult! Neujahrs-Dirigent sorgt für Überraschung

Das Neujahrskonzert ist jedes Jahr quasi Pflichtprogramm für die Österreicher. Dieses Jahr mit einigen "Revolutionen".
Heute Entertainment
01.01.2026, 11:53
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Um Punkt 11.15 Uhr betritt er grinsend die Bühne – ohne Dirigentenpult, mit lackierten Fingernägeln und Flinserl im Ohr. Yannick Nézet-Séguin sorgt beim Neujahrskonzert 2026 für frischen Wind.

So hat man das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker noch selten erlebt. Wenn am 1. Jänner 2026 Millionen Zuseher weltweit ORF 2 einschalten, steht ein Mann im Mittelpunkt, der mit vielen Traditionen bricht und genau dafür gefeiert wird: Yannick Nézet-Séguin.

Weibliche Handschrift beim Konzert

Der 50-jährige Frankokanadier dirigiert das berühmteste Konzert der Klassikwelt erstmals und gleich auf seine ganz eigene Art. Schon beim Auftritt im Goldenen Saal ist klar: Das hier wird anders.

Punkt 11.15 Uhr geht Nézet-Séguin gut gelaunt auf die Bühne, winkt ins Publikum, strahlt und verzichtet demonstrativ auf ein Dirigentenpult. Statt distanziertem Pathos setzt er auf Nähe, Bewegung und pure Freude an der Musik.

Auch optisch sorgt der Maestro für Gesprächsstoff: Silber lackierte Fingernägel, ein Flinserl im Ohr, dazu ein offenes Lächeln. Das verstaubte Bild des strengen Taktstock-Maestros? Fehlanzeige. "Ich habe mich entschieden, Spaß mit dem Programm zu haben", sagt Nézet-Séguin und genau das spürt man vom ersten Takt an.

Die Revolution zeigt sich aber nicht nur im Auftreten, sondern auch im Programm. Erstmals erklingen beim Neujahrskonzert gleich zwei Werke von Komponistinnen: die "Sirenen-Lieder" von Josephine Weinlich und der "Rainbow Waltz" der afroamerikanischen Komponistin Florence Price. Für Nézet-Séguin ein bewusstes Zeichen: Musik soll verbinden und widerspiegeln, wer wir heute sind.

"Es ist die größte Ehre meines Lebens", sagt der Dirigent über seinen Auftritt mit den Wiener Philharmonikern, mit denen ihn seit Jahren eine enge Zusammenarbeit verbindet. ORF-Programmdirektorin Stefanie Groiss-Horowitz spricht von einer spürbaren weiblichen Handschrift im gesamten Konzert. Auch der Pausenfilm wurde erstmals von einer jungen Regisseurin gestaltet.

Dass Nézet-Séguin kein Freund starrer Rollenbilder ist, überrascht Kenner nicht. Der Stardirigent liebt auffällige Outfits, ist auf Social Media präsent und trägt sogar eine Partitur-Tätowierung auf dem Oberarm. Musik, so sagt er, höre man nicht nur, man trage sie.

Das Neujahrskonzert 2026 wird damit mehr als ein musikalischer Pflichttermin: Es wird ein Statement für Offenheit, Vielfalt und Lebensfreude. Und selten zuvor begann ein neues Jahr im Musikverein so sichtbar mit einem Lächeln.

{title && {title} } red, {title && {title} } Akt. 01.01.2026, 14:06, 01.01.2026, 11:53
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