Nach dem Tod von neun Neugeborenen innerhalb weniger Tage in einem Spital in Sibirien hat die russische Polizei den Chefarzt sowie den stellvertretenden Leiter der Intensivstation festgenommen. Die Staatsanwaltschaft wirft den beiden Fahrlässigkeit und fahrlässige Tötung vor, wie das russische Ermittlungskomitee am Mittwoch bekannt gab.
"Zwischen dem 4. und 12. Jänner 2026 starben neun Neugeborene im Entbindungskrankenhaus Nr. 1 in Nowokusnezk, weil die Verdächtigen ihre offiziellen und beruflichen medizinischen Pflichten nicht ordnungsgemäß erfüllt haben", hieß es in einer Erklärung der Ermittlungsbehörde auf Telegram. Eine forensische Untersuchung zu jedem Todesfall läuft derzeit.
Woran die Babys in der Entbindungsklinik in Nowokusnezk genau gestorben sind, ist nach wie vor unklar. Laut den örtlichen Gesundheitsbehörden hatten aber alle Neugeborenen eine Infektion, die sie entweder während der Schwangerschaft oder bei der Geburt bekommen haben. Das Spital teilte am Dienstag mit, dass wegen einer hohen Zahl an Atemwegsinfektionen keine weiteren Patienten aufgenommen werden.
Die russische Zeitung "Komsomolskaya Prawda" berichtete am Dienstag, dass im Krankenhaus Personalmangel herrsche und dutzende Mitarbeiter fehlen würden. Die Klinik wies diese Vorwürfe zurück.
Die Sprecherin des russischen Oberhauses, Valentina Matwienko, nannte die Todesfälle eine Tragödie und verlangte, dass sich so etwas "nie wiederholen" dürfe.
Der Gouverneur der Region Kusbass, zu der Nowokusnezk gehört, hat angekündigt, alle Entbindungskliniken in der Region überprüfen zu lassen.
Die Kreml-treue Abgeordnete Jana Lantratowa schrieb auf Telegram: "In Zeiten der demografischen Krise" sei es "ein Verbrechen" gegen das Land, mehrere Neugeborene in einer Klinik sterben zu lassen.