Warum Österreich zuschaut

NHL-Starauflauf! "Kanada bestes Team, US-Goalies top"

Erstmals seit zwölf Jahren steigt Olympia wieder mit allen NHL-Stars. Eishockey-Experte Patrick Ehelechner analysiert im "Heute"-Talk.
Sebastian Klein
11.02.2026, 07:05
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Am Mittwoch eröffnen Italien und Schweden das Olympische Eishockey-Turnier in Mailand. Ab Donnerstag ist das Superstar-Ensemble aus Kanada zum ersten Mal zu bestaunen. Wer holt Gold? Wer sind die Spieler, denen man im Turnier ganz genau auf Schlittschuhe und Schläger schauen muss? Warum müssen die österreichischen Cracks eigentlich von der Couch aus zusehen? "Eurosport"-Experte Patrick Ehelechner analysiert im "Heute"-Talk.

Der ehemalige deutsche Teamkeeper legt sich fest: "Wenn alles normal läuft, heißt das Finale Kanada gegen USA." Die beiden nordamerikanischen Giganten spielen in einer eigenen Liga. Nicht nur auf dem Papier: Schon beim "Four Nations Face-Off" im Vorjahr standen sich Kanada und die USA im Endspiel gegenüber – Kanada setzte sich nach einer regelrechten Hockey-Schlacht durch. Hängen blieben vor allem die hitzigen Szenen und die Intensität dieses Duells. Auch bei den Spielern selbst. Die eine oder andere Rechnung ist offen.

Kanada reist mit dem für Ehelechner stärksten Kader des Turniers an. Angeführt von Connor McDavid (Edmonton), den er ohne Zögern als "besten Spieler der Welt" bezeichnet, flankiert von Nathan MacKinnon (Colorado) und dem Altmeister Sidney Crosby. In den ersten Mailand-Trainings teilten die Ahornblätter ihre drei Superstars als Center auf die ersten drei Reihen auf.

Gerade auf Crosby freut sich Ehelechner besonders – auch aus persönlichen Gründen. Der frühere Profigoalie trainierte einst mehrere Wochen mit dem inzwischen 38-Jährigen bei den Pittsburgh Penguins. "Es gibt viele Menschen, die fragen: 'Wie geht’s dir?' – und eigentlich interessiert sie die Antwort gar nicht. Bei Sidney Crosby ist das anders", erinnert sich Ehelechner. Neben dem Ausnahmetalent sei es vor allem Crosbys Arbeitsethik, die ihn seit Jahren auf absolutem Topniveau halte: "Er bleibt bis zuletzt auf dem Eis, bis zuletzt im Kraftraum, versucht immer noch irgendwo etwas zu verbessern, während andere längst beim Kaffee sind."

Connor McDavid von den Edmonton Oilers gilt als bester Eishockeyspieler der Welt. Im Hintergrund: Toronto-Star Auston Matthews als "Captain America" der USA.
IMAGO/ZUMA Press

Kanada gegen die USA

So dominant der kanadische Kader wirkt, ein Bereich bereitet Ehelechner Bauchweh: die Torhüterposition. Während die USA mit Connor Hellebuyck (Winnipeg), Jake Oettinger (Dallas) und Jeremy Swayman (Boston) aus seiner Sicht "die besten Goalies im Turnier" stellen, sieht er bei Kanada zumindest ein Fragezeichen – unter anderem bei Jordan Binnington, der in der laufenden NHL-Saison bei den St. Louis Blues ein wechselhaftes, phasenweise schwaches Jahr erlebt hat.

Österreichs Medaillen-Helden

🥈Sabine Payer – Snowboard-RTL (Tag 2)

🥇Benjamin Karl – Snowboard-RTL (Tag 2)

🥈Jonas Müller – Rodel-Einsitzer (Tag 2)

🥈Manuel Feller / Vincent Kriechmayr – Ski-Kombi (Tag 3)

🥇Ariane Rädler / Katharina Huber – Ski-Kombi (Tag 4)

Warum funktionieren solche Superstar-Ansammlungen im Eishockey – anders als im Fußball – oft nicht nur, sondern heben das Niveau sogar noch einmal?

Man stelle sich im Fußball eine Offensivreihe mit Mbappé, Messi und Ronaldo vor – drei dominante Individualisten, die alle den Ball fordern, alle im Zentrum stehen wollen. Ehelechner: "Im Eishockey lernst du von klein auf, dass es nur im Kollektiv funktioniert. Du kannst nur als Mannschaft erfolgreich sein. Es gibt ganz selten Superstars, die glauben, sie seien etwas Besseres. Viele sind sogar dankbar für Interviews und Aufmerksamkeit. Selbst McDavid musste lernen, dass es nur im Kollektiv funktioniert. Die ersten Jahre war er ein ganz anderer Spielertyp als in den letzten vier, fünf Jahren."

Und Crosby? "Er ist für mich einfach einer der Größten. Vor allem ist er ein extrem harter Arbeiter. Er bleibt bis zuletzt auf dem Eis, bis zuletzt im Kraftraum."

Die Medaillen-Kandidaten

Hinter diesem vermeintlich vorweggenommenen Endspiel erwartet er ein offenes Rennen um die restlichen Medaillen. Schweden und die Schweiz gelten als heiße Anwärter, haben mit NHL-Stars gespickte Aufgebote. Finnland fehle für Ehelechner im Vergleich die Dichte, der Ausfall des verletzten Florida-Kapitäns Alexander Barkov sei kaum aufzuwiegen. Der Bronze-Tipp des Experten? Tschechien als Überraschungskandidat. Die Tschechen setzen unter anderem auf Topstars David Pastrnak (Boston) und Martin Necas (Colorado).

Draisaitl: Missverstandener Gigant

Aus deutschsprachiger Sicht führt bei diesem Turnier kein Weg an Leon Draisaitl vorbei. Er zählt Jahr für Jahr zu den besten Torjägern und Scorern der NHL, verdient 14 Millionen Dollar im Jahr. Zweimal in Folge stand Draisaitl mit den Edmonton Oilers an der Seite von McDavid im Stanley-Cup-Finale, jeweils erst im letzten Schritt von Florida gestoppt.

Ehelechner: "Leon Draisaitl ist in Edmonton ein absoluter Superstar. Er kann dort nicht einfach Kaffee trinken gehen – nicht aus Arroganz, sondern weil ihm dort aufgelauert wird. Da stehen 50 oder 100 Menschen für Autogramme und Selfies." Dass der deutsche Fahnenträger nach außen oft schroff rüberkommt, sei ein Schutzmechanismus: "In Wirklichkeit ist er lustig, entspannt und sehr umgänglich."

Marco Rossi, Marco Kasper – und die österreichische Realität

Während Deutschland inzwischen mehrere NHL-Leistungsträger stellt und sich dadurch realistisch im Kreis der Medaillenkandidaten bewegen kann, konnte sich Österreich nicht für die Winterspiele qualifizieren. Ehelechner: "Wir waren in Deutschland auch schon an dem Punkt, an dem Österreich jetzt ist."

"Seit der Silbermedaille 2018 boomt Eishockey in Deutschland." Der Schlüssel? "Entscheidend ist Vertrauen in einheimische Spieler – echtes Vertrauen. Nicht nur am Spielberichtsbogen stehen, sondern spielen."

Gerade in Spezialrollen werde das deutlich: "Wenn du Powerplay nie spielst, kannst du es auf höchstem Niveau nicht plötzlich beherrschen." Sein Vergleich: "Ich vergleiche das immer mit einem Piloten und einem Flugbegleiter. Beide sind im Flugzeug, aber nur einer kann es fliegen."

In Deutschland habe sich über Jahre eine breitere Struktur entwickelt. Mit DEL und DEL2 gebe es eine große Basis, in der junge Spieler Verantwortung übernehmen können. Dieser Prozess brauche Zeit – "Strukturen und Geduld".

Die größten rot-weiß-roten Stars sind die NHL-Legionäre Marco Kasper (Detroit) und Marco Rossi (Vancouver). Über Rossi sagt Ehelechner: "Ich bin ein großer Fan von ihm." Sein Wechsel "von Minnesota nach Vancouver ist hart". Das neue Team werde "die nächsten Jahre wenig reißen". Rossi hatte auch beim neuen Klub schnell mit Verletzungsproblemen zu kämpfen. "Es hat ihn leider bitter erwischt. Ich hoffe, dass er dort eine größere Rolle bekommt und man wirklich auf ihn baut."

Zu Marco Kasper meint er: "Er hatte eine Phase, in der ihm kaum etwas aufgegangen ist. Jetzt zeigt die Kurve wieder nach oben." Für ihn sei es "ein Vorteil, dass er in einer Mannschaft spielt, die sehr wahrscheinlich die Playoffs erreicht". Er sei dort "in einer passenden Rolle, auch wenn er natürlich mehr will".

Ehelechner: "Freue mich, wie ein kleines Schnitzel"

Für den 41-Jährigen selbst wird das Turnier ebenfalls besonders. Der frühere Nationaltorhüter war bereits 2018 und 2022 Teil der Eurosport-Crew, diesmal reist er in einer Hybridrolle nach Mailand: als Experte, Content-Creator und Produzent.

Mit seiner eigenen Produktionsfirma liefert er neben dem klassischen TV-Expertenpart auch Behind-the-Scenes-Eindrücke direkt vom olympischen Rink – Social-Media-Reels, spontane Interviews, Trainingsimpressionen. "Ich freue mich wie ein kleines Schnitzel", sagt er. "Keine Ahnung, ob ich das jemals wieder machen darf."

Alles zu den Olympischen Winterspielen 2026 im "Heute"-Datencenter.

{title && {title} } sek, {title && {title} } 11.02.2026, 07:05
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