Rote Balken, die in die Höhe schießen, die Rückeroberung des Kanzleramts und ein neues sozialdemokratisches Zeitalter – nicht weniger hat Andreas Babler seinen Genossen versprochen.
Das Ergebnis? Die SPÖ ist Junior-Partner in einer Dreier-Regierung, liegt in Umfragen am Boden, ist so schwach wie nie zuvor in ihrer Geschichte. In der aktuellen "Heute"-Sonntagsfrage von Unique Research kommen die Roten auf nur noch 15 Prozent – ein absoluter Negativ-Rekord!
Bei der Bundeskanzler-Direktwahl, die Herbert Kickl überlegen anführt, schafft Parteichef Babler gar nur elf Prozent – sogar noch weniger als Beate Meinl-Reisinger.
Die Alarmglocken müssen allerdings beim Blick auf die Rohdaten schrillen: Nicht einmal mehr jeder zweite (!) SPÖ-Wähler steht hinter Babler. Nur 48 Prozent der deklarierten Roten würden ihrem eigenen Vorsitzenden bei der (fiktiven) Kanzler-Direktwahl die Stimme geben.
Zum Vergleich: FPÖ-Obmann Herbert Kickl kommt bei der eigenen Klientel auf 74 Prozent. Hinter Beate Meinl-Reisinger stehen 73 Prozent der Neos-Sympathisanten. Christian Stocker – der persönlich bessere Werte als die ÖVP hat – kann auf 69 Prozent der schwarzen Anhänger zählen. Auch Leonore Gewessler schafft mit 58 Prozent eine Absolute Mehrheit bei den Grünen.
Angesichts der trostlosen Situation kommt es am Sonntag zum Showdown bei den Roten. Die neun Länderchefs treffen sich zuerst untereinander, beraten die Lage und treffen dann mit Parteichef Babler, Frauen-Vorsitzender Eva-Maria Holzleitner und Gewerkschaftsboss Wolfgang Katzian zusammen. Auch Burgenland-Chef Hans Peter Doskozil hat sein Kommen angekündigt.
Mit dem Verbleib Bablers an der Parteispitze und im Vizekanzleramt rechnet längst kein Genosse mehr: "Andi hat – anders als einst Rendi-Wagner – keine Unterstützer mehr." Zuletzt hatten auch die mächtige Wiener Landespartei und die Gewerkschaft ihre schützende Hand entzogen.
Als neuer Parteichef angeboten hat sich – wie berichtet – Medienmanager Gerhard Zeiler. Er wandte sich mittlerweile auch in einem offenen Brief an die Mitglieder. Seine Begründung? Der "Siegeszug der Rechten" könne gestoppt werden, dafür müsse sich die SPÖ aber verändern. Aktuell liegt die FPÖ in der "Heute"-Sonntagsfrage bei 38 Prozent – so hoch wie noch nie.
Zeiler wolle die Partei "in die Mitte führen. Das ist der Grund, warum ich Parteivorsitzender werden möchte."
In der Sonntagsfrage liegen die Roten mit Zeiler nur marginal besser als mit Babler, kommen auf 17 Prozent. Der erfolgreiche Medien-Manager und Selfmade-Millionär würde in der Kanzler-Direktwahl aber besser performen und hochgerechnet auf 15 Prozent kommen.
"Es zeigt sich hier, dass Gerhard Zeiler Wählerinnen und Wähler über die Parteigrenzen hinweg ansprechen kann", so "Heute"-Meinungsforscher Peter Hajek. Manko: "Die deklarierten SPÖ-Wähler scheinen dagegen vorerst eine abwartende Haltung einzunehmen und sich noch nicht offensiv hinter Zeiler zu stellen."
Die besten Werte hat aktuell der Finanzminister, der auch immer wieder (übergangsweise) als Vizekanzler und Parteichef genannt wird: "Im Vergleich zu Markus Marterbauer befindet sich Zeiler derzeit in einer weniger günstigen Ausgangsposition", analysiert Meinungsforscher Hajek.
Hintergrund: "Marterbauer verfügt aufgrund seiner Präsenz als Finanzminister über eine höhere Bekanntheit und erzielt zugleich positive Persönlichkeitswerte in der Bevölkerung. Dieser Nachteil erscheint jedoch überwindbar: Durch eine überzeugende politische und mediale Performance könnte Gerhard Zeiler mittelfristig aufholen."