Beim ersten Abfahrtstraining in Bormio ist es bei den Schweizer Speed-Herren zu Spannungen gekommen. Auslöser ist eine Entscheidung des Trainerteams zur internen Olympia-Qualifikation.
Konkret geht es um den letzten Schweizer Startplatz für die Abfahrt am Samstag. Niels Hintermann muss sich diesen im Training gegen Stefan Rogentin erkämpfen. Was den 30-Jährigen verärgert, ist jedoch nicht das direkte Duell, sondern eine andere Personalentscheidung.
"Was diese Herren am Dienstagnachmittag entschieden haben, ist nicht okay, es ist nicht im Sinne des Sports!", wird Hintermann von "Blick" zitiert. Hintergrund: Kollege Alexis Monney wurde vom Trainerteam für die Olympia-Abfahrt gesetzt und muss keine Qualifikation bestreiten.
Hintermann zeigt dafür wenig Verständnis. "Ich habe zwar überhaupt nichts dagegen, dass ich diese Qualifikation bestreiten muss, schließlich habe ich im laufenden Weltcup-Winter keinen Podestplatz herausgefahren. Aber Alexis Monney kann aus dieser Saison auch keinen Top-3-Rang vorweisen, dennoch hat man ihn gesetzt."
Besonders stößt ihm auf, dass damit aus seiner Sicht eine langjährige Praxis gebrochen wird. "Seit ich 2017 anlässlich der WM in St. Moritz erstmals an einem Großevent dabei war, war es im Schweizer Abfahrtsteam immer so, dass die Athleten, die im Weltcup nicht den Sprung aufs Podest geschafft haben, ausnahmslos im Training eine Quali bestreiten mussten. Doch jetzt fängt man leider plötzlich etwas Neues an."
Überraschung auch bei Monney selbst. Der Abfahrer hatte offenbar mit einer internen Qualifikation gerechnet. "Ich hatte mich gedanklich bereits auf die Quali vorbereitet, ich habe mich auf eine brutale schwere Woche eingestellt. Aber ohne Quali-Druck kann ich natürlich sehr viel Energie sparen", blickt er nun auf seinen Olympia-Einsatz voraus.