Sie will das scheinbar Unmögliche möglich machen. Ski-Superstar Lindsey Vonn plant trotz gerissenem Kreuzband einen Start bei den Olympischen Winterspielen in Cortina. Das gab die 41-jährige Amerikanerin am Dienstag auf einer Pressekonferenz bekannt – und sorgte damit für großes Staunen in der Ski-Welt.
"Letzten Freitag habe ich mir in der Weltcup-Abfahrt in Crans-Montana das Kreuzband gerissen", erklärte Vonn offen. Aufgeben will die Speed-Queen deshalb aber nicht. "Mein Knie ist nicht geschwollen. Deshalb will ich es am Sonntag probieren. Ich weiß, dass ich nicht mehr die gleichen Chancen habe, aber ich will es versuchen."
Schon am Sonntag steht für die Alpin-Frauen die Abfahrt auf der legendären Tofana auf dem Programm. Vonn will dabei mit einer speziellen Knie-Schiene antreten – ein enormes Risiko, aber eines, das sie bewusst eingeht. Damit reiht sie sich in eine exklusive Liste von Top-Athleten ein, die trotz schwerer Verletzungen an den Start gingen.
"Heute"-Experte Marc Girardelli holte gar ohne Kreuzband den Gesamtweltcupsieg wie er erklärt: "Ich selbst bin jahrelang ohne Kreuzband Rennen gefahren, habe so 1993 noch meinen letzten Gesamtweltcupsieg geholt. Das ging, weil die Muskulatur das Knie gehalten hat. Die Schmerzen dabei sind eine andere Geschichte."
Auch im Radsport gab es ein ähnliches Kapitel. Franco Marvulli wusste bereits vor dem Sechstagerennen 2008 in Berlin, dass er sich das vordere Kreuzband gerissen und den Meniskus gequetscht hatte. Trotzdem entschied er sich bewusst für einen Start – und raste gemeinsam mit Bruno Risi sensationell zum Sieg.
Noch spektakulärer war der Triumph von Tiger Woods bei den US Open 2008. Der Golf-Superstar gewann das Major-Turnier trotz gerissenem Kreuzband, weiterer Bänderverletzungen und Stressfrakturen im Schienbein. Wochenlang biss er sich durch die Schmerzen, spielte Runde um Runde – und setzte sich im Sudden Death durch. Erst danach wurde bekannt, wie schwer sein Knie tatsächlich verletzt war.
Auch im American Football zeigte sich, wie weit Athleten für den Erfolg gehen. NFL-Quarterback Philip Rivers riss sich 2008 im Divisional Playoff das vordere Kreuzband und verletzte zusätzlich den Meniskus. Nur eine Woche später stand er dennoch im AFC Championship Game gegen die New England Patriots auf dem Feld, warf für 211 Yards und spielte trotz klarer Einschränkungen durch.