Alles ist angerichtet. Österreich bestreitet am Donnerstagabend (21 Uhr) im fünf Milliarden Dollar teuren Stadion von Los Angeles sein Spiel des Jahres. Es geht gegen den amtierenden Europameister Spanien – ein absolutes Top-Team.
Doch wenn es nach der Meinung von Österreichs Fußball-Held Michael Gregoritsch geht, dann hatte es Rot-Weiß-Rot schon mit einem besseren Konkurrenten zu tun. "Wir haben uns das erwartet, dass es das Spiel sein wird. Jeder hat gedacht, dass es das Spiel wird. Man hat gesehen, sie kriegen auch Probleme, gegen Kap Verde, gegen Uruguay. Vom Gefühl her schätze ich sie nicht so gut ein wie Argentinien, und trotzdem sind sie über uns zu stellen", erzählte Gregoritsch im "Canal+"-Podcast "Ohne Filter". Im zweiten Vorrundenspiel verlor Rot-Weiß-Rot gegen Lionel Messi und Co. mit 0:2 – allerdings war es das beste Spiel unserer Elf bisher.
Allerdings schob Gregoritsch trotz aller Euphorie hinterher: "Wir werden das Spiel als krasser Außenseiter angehen."
Die Euphorie kommt freilich vom "Wunder von Kansas City". Nachdem unser Team nach dem Gegentreffer durch Riyad Mahrez in der 93. Minute bereits raus war, erst Sasa Kalajdzic Österreich in der 96. Minute erlöste. Gregoritsch hatte den Ball aufgeköpft. "Der Ball ist zum Sabi gekommen, ich sehe ihn nur auf der Seite runterlaufen, war relativ alleine im Sechzehner. Ich habe mir gedacht: Wenn er kommt, dann ist es eine Superchance", schilderte der Torjäger von Augsburg. Tatsächlich erwischte er die Flanke noch. "Dann habe ich nur versucht, den Ball hineinzuköpfen, habe auch ehrlicherweise den Sasa nicht gesehen", so Österreichs Stürmer.
Danach kannte der Jubel keine Grenzen. Alle warfen sich aufeinander, mittendrin war auch "ORF"-Experte Andreas Herzog. "Ich bin ehrlicherweise schnell aus der Gruppe geflüchtet, ich habe Angst um meine Füße gehabt", lachte Gregoritsch nun, ergänzte: "Es ist Weltklasse, wenn man sieht, wie viel Freude und Erleichterung in jedem Gesicht da drinnen war. Das hätten wir uns nicht verziehen, wenn wir da draußen gewesen wären." Wie viel Glück das ÖFB-Team hatte, ist auch Gregoritsch bewusst. "Es war vermutlich sehr, sehr naiv, was wir da gegen Algerien gemacht haben, mit einem sehr, sehr glücklichen Ende. Vielleicht ist das gerade die richtige Motivation gewesen, dass wir gesehen haben: Es ist einiges mehr möglich."
"Hoffentlich passiert da nichts mehr", habe er sich zunächst noch gedacht, die "letzte Viertelstunde hat sich schon ganz komisch angefühlt. Dann ist schon ein schöner Schas passiert. Ich habe dann schon vor mich hingesagt: Wir sind raus, wir sind raus", erinnerte sich Gregoritsch. Er habe "imaginär meine Koffer gepackt. Aber Wunder geschehen. Gott sei Dank."
Nun startet aber die K.-o.-Phase mit ganz neuer Motivation: "Das Turnier geht gefühlt jetzt erst richtig los. Alle tun sich schwer in den Spielen, man sieht, dass es Ausscheidungsspiele sind", so Gregoritsch, der auch erklärte, dass er sich in den beiden Tagen danach nur erholt hatte: "Ich habe nicht einmal Golf gespielt, das heißt etwas bei mir."