Nur wenige Stunden nach dem Urteil gegen Marius Borg Høiby werden neue Details aus seiner Untersuchungshaft bekannt. Demnach soll der Sohn von Norwegens Kronprinzessin Mette-Marit in seiner Gefängniszelle völlig die Kontrolle verloren haben.
Auslöser soll eine Entscheidung des Berufungsgerichts Borgarting gewesen sein. Dieses hatte einen Antrag auf Haftentlassung des 29-Jährigen abgelehnt. Laut einem Gefängnisbericht reagierte Høiby darauf mit einem heftigen Wutausbruch.
Demnach schlug er mit der Faust gegen einen Schrank und verletzte sich dabei schwer. Die Folgen waren offenbar so gravierend, dass er zur Behandlung in die Notaufnahme gebracht werden musste. In dem Bericht heißt es: "Er wurde wütend und traurig. Er wollte lange nicht mit Beamten sprechen." Sein rechter Arm soll anschließend blau gewesen sein.
Verteidiger Petar Sekulic bezeichnete die Reaktion seines Mandanten als nachvollziehbar. Er verwies dabei auf die gesundheitliche Situation von Marius' Mutter, Kronprinzessin Mette-Marit.
"In einer solchen extremen Situation, wenn man glaubt, die Mutter vielleicht zum letzten Mal gesehen zu haben - kommt eine solche Entscheidung. Es ist sehr ungewöhnlich, dass die Staatsanwaltschaft das als Beispiel dafür heranzieht, dass er seine Gefühle nicht kontrollieren kann", sagte Sekulic.
Am Montag entschied das Gericht allerdings, dass Høiby weiterhin in Untersuchungshaft bleibt. Zur Begründung wurde angeführt: "Es besteht die Gefahr weiterer Straftaten, insbesondere weil der Angeklagte trotz Kontakt- und Aufenthaltsverbots immer wieder Kontakt zur Geschädigten gesucht hat und Situationen leicht eskalieren können."
Der 29-Jährige wurde am Montag zu vier Jahren Haft verurteilt. Der Schuldspruch umfasst laut den vorliegenden Informationen zwei Vergewaltigungen sowie die Misshandlung seiner Ex-Freundin Nora Haukland.
Insgesamt musste sich Høiby wegen 40 Anklagepunkten verantworten. Darunter waren unter anderem Vergewaltigung, Körperverletzung, Stalking und Drogendelikte. Von zwei Vergewaltigungsvorwürfen wurde er freigesprochen.
Bereits vor der Urteilsverkündung hatte seine Anwältin Ellen Holager Andenaes erklärt, ihr Mandant könne aus gesundheitlichen Gründen nicht vor Gericht erscheinen. Nähere Angaben dazu machte sie nicht.
Noch am Montag kündigten die Anwälte nach einem Besuch im Gefängnis Ila an, gegen das Urteil Berufung einzulegen. Damit ist die Entscheidung noch nicht rechtskräftig.
Vom norwegischen Königshaus gab es keine Stellungnahme. "Die Sache wurde vom Gericht behandelt. Das Königshaus hat keinen Kommentar zum Ergebnis", ließ Kommunikationsberater Simen Løvberg Sund ausrichten.