Neuer Treffpunkt

Öko-Rebell Staudinger beglückt Schrems mit Weinbar

Am 30. Jänner lädt Heini Staudinger zur inoffiziellen Eröffnung von "Heini & Heinzis SonderBar Ubúntú" in Schrems. Tags darauf ist regulär geöffnet.
Aram Ghadimi
23.01.2026, 04:00
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Schrems bekommt eine neue Adresse für alle, die gerne gemütlich ein Gläschen Wein in geselliger Atmosphäre zu sich nehmen: Am dortigen Hauptplatz eröffnet in wenigen Tagen, am 30. Jänner 2026, "Heini & Heinzis SonderBar Ubúntú". Schon am Folgetag soll der reguläre Barbetrieb losgehen.

Der künftige Co-Betreiber, Heini Staudinger, ist kein Unbekannter: In den 1980er-Jahren gründete er GEA, ein Unternehmen, das heute neben Waldviertler-Schuhen auch ökologische Socken, Taschen und Möbel verkauft, eine Bildungsakademie sowie ein Hotel in Schrems betreibt. Der Eingang der künftigen Weinbar befindet an derselben Adresse wie das besagte "Hotel zur Sonne" – am Hauptplatz Nummer 5.

Der künftige Eingang zu Heini & Heinzis SonderBar am Hauptplatz in Schrems.
Sarah Piskur

Staudingers Haltung, die er seit Jahren öffentlichkeitswirksam vertritt – gegen Billigimporte, für regionale Wertschöpfung – macht ihn zur Symbolfigur innerhalb ökologisch denkender Kreise. Seine Kritik entzündet sich an einer Wirtschaftspolitik, die kleine Betriebe und regionale Produktion "bestraft", während globale Player mit Billigware von Schlupflöchern profitieren würden. Man kann also davon ausgehen, dass auch auf die Qualität der Weine geachtet werden wird.

Gastgeberei als höchste Kunst

"Heute" hat Staudinger zum Hintergrund seines Vorhabens befragt. Dieser verweist zunächst auf seinen Partner Heinz Trautmann, der sein Leben lang Hotelmanager gewesen ist und deshalb wisse, worauf es ankommt: "Die höchste Kunst ist die Gastgeberei", zitiert der Öko-Rebell seinen Freund.

"Wir wollen einen Ort schaffen, an dem die Leute zusammenkommen, wie etwa im historischen England bei Salongesprächen", erklärt Staudinger: "Dort wurde untereinander diskutiert", fügt er an und hebt hervor: "Solche Orte brauchen wir auch für den Erhalt der Demokratie in unserem Land. In Schrems gibt es zwar das Flashback, wo Jung und Alt hingehen, aber ein Ort wirklicher Begegnung fehlt noch."

Freude seitens der Gemeinde

Der "Heute"-Lokalaugenschein hat gezeigt, dass die Vorbereitungen dazu noch laufen. Derzeit wird in der Auslage des künftigen Lokals auch noch nach "Mitarbeiter*innen gesucht. Gerne Senior*innen und Student*innen, die sich etwas dazuverdienen möchten." Ein anderer Aushang informiert über die Öffnungszeiten – Donnerstag, Freitag und Samstag von 17.00 bis 22.00 Uhr.

Seitens der Stadtgemeinde Schrems freut man sich, dass bald eine neue Location zum geselligen Verweilen entsteht, die "damit natürlich auch dem Schremser Stadtleben etwas Gutes tut". Für David Süß, den Bürgermeister des Städtchens im nördlichen Waldviertel, entsteht mit der SonderBar "ein richtiges Bermuda-Dreieck, eine tolle und wichtige Erweiterung des gastronomischen Angebots unserer Stadt!"

Gelebte Ubúntú-Philosophie

Dabei dürfte "Heini & Heinzis SonderBar Ubúntú" kein Ort werden, der Prunk zur Schau tragen will, sondern vielmehr ein Lokal, das die unterschiedlichsten Menschen wieder zusammenbringen soll. Der Begriff Ubúntú, der aus Südafrika stammt, wird übersetzt als "Menschlichkeit" oder "Nächstenliebe" und begründet ein dem Mensch zugewandtes Denken, das unter anderem Nelson Mandela in seinem friedlichen Protest gegen die Unterdrückung schwarzer Menschen angewandt hat.

Dieser Grundgedanke zieht sich auch durch die politischen Interventionen von Öko-Rebell Staudinger, der jüngst einen offenen Brief an Finanzminister Martin Marterbauer gerichtet hat, in dem er ankündigte, bei bestimmten Produkten die Mehrwertsteuer nicht vollständig abzuführen und den Vorgang per Selbstanzeige zu melden – ein kalkulierter Regelbruch, um Aufmerksamkeit auf das zu lenken, was er als Schieflage sieht: lokale Betriebe zahlen hohe Abgaben, während eine Flut an Billigsendungen aus Asien in die EU drängt und der Wettbewerb nicht über Langlebigkeit, sondern über Preisdrückerei entschieden wird.

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Bei Wein diskutieren

Es bleibt abzuwarten, wie die Reaktion auf den Protest ausfällt. "Bisher hat niemand reagiert, nachdem wir uns im Jänner rund 50.000 Euro abgezogen haben", sagt Staudinger mit hörbarem Trotz in der Stimme. Wer darüber diskutieren möchte, kann das demnächst in der Schremser SonderBar tun.

Ob die SonderBar eher Szene-Spot für alternatives Publikum, Stammtischadresse Alteingesessener oder beides wird, zeigt sich ab Ende Jänner. Fix ist: Mit dieser Eröffnung kommt nicht nur eine neue Weinbar nach Schrems – sondern auch ein Stück weit jene bodenständig-rebellische Haltung, die Staudinger so sichtbar macht wie kaum ein anderer.

{title && {title} } agh, {title && {title} } 23.01.2026, 04:00
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