Nach 15 Jahren Kundentreue

Ökostrom kündigt Wiener, weil er zu viel Energie spart

In Wien-Favoriten blieb ein Strom-Sparfuchs von heute auf morgen ohne Strom. Der Grund: Eine 33-Euro-Rechnung und geringer Stromverbrauch.
16.01.2026, 08:00
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Nach 15 Jahren Kundentreue ist für einen Wiener aus Favoriten plötzlich Schluss: Die Ökostrom AG hat Daniel den Vertrag gekündigt – mit einer Begründung, die nicht nur bei ihm für Kopfschütteln sorgt. Der Vorwurf: zu viel günstiger Stromverbrauch.

Geringer Verbrauch, doch offene 33-Euro-Rechnung "Kündigungsgrund"

Auslöser soll laut Telefonauskunft zunächst eine Nachzahlung in Höhe von insgesamt 28,26 Euro inklusive 5 Euro Mahngebühren gewesen sein – der 41-Jährige war anfangs nicht bereit, diesen Betrag zu zahlen.

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Der Wiener überlässt beim Stromverbrauch nichts dem Zufall, behält stets den Überblick. "Natürlich hätte ich den Betrag gezahlt, habe aber nicht eingesehen, wieso ich etwas zahlen soll, dass ich nicht genutzt habe", so Daniel gegenüber "Heute".

Laut Auskunft des Service-Centers habe er jedoch überdurchschnittlich viel Strom zu Zeiten niedriger Preise verbraucht – und sei deshalb für den Anbieter wirtschaftlich nicht mehr tragbar. Zur Erklärung: Daniels Tarif ändert sich nach Tageszeit. Mittags, wenn alle in der Arbeit sind, ist Energie für ihn billiger. Zuvor hatte der 41-Jährige auf diesen "Spot-Tarif" gewechselt, soll im Schnitt 24 Euro monatlich für Energie in seiner 54-Quadratmeterwohnung im 10. Wiener Bezirk gezahlt haben.

"Ich habe Geschirrspüler und Waschmaschine mittags laufen lassen, wenn der Strom günstiger ist", erzählt der Betroffene. Dazu kämen ganz normale Haushaltsgeräte wie Fernseher und Kühlschrank. Von exzessivem Verbrauch könne keine Rede sein. "Ich verbrauche zwischen 600 und 800 Kilowattstunden im Jahr", so der 41-Jährige.

Kündigung wegen sparsamen Verhaltens

Dass ausgerechnet stromsparendes und tarifkonformes Verhalten nun zur Kündigung führt, sorgt für Ärger. "Das gibt es doch nicht", sagt der Kunde. "Man soll Strom sparen, Lasten verlagern – und wird dann gekündigt."

Besonders bitter: Nach eineinhalb Jahrzehnten beim selben Anbieter habe er sich erstmals für einen internen Tarifwechsel entschieden – und stehe plötzlich ohne Vertrag da. Ab Mittwoch soll er nämlich in seiner Wohnung frieren.

Kurios: Die Kündigung wurde Ende des Vorjahres abgeschickt, einen Tag vor dem Ende der Energiezulieferung muss Daniel nun seinen Anbieter wechseln. "Heute" befragte die Ökostrom AG zu der Vertragskündigung, diese bedauert den Fall: Im Fall von Daniel bestehe seit November ein offener Teilbetrag, der trotz mehrfacher Kontaktaufnahme und angebotener Zahlungsoptionen nicht beglichen wurde.

"Auch wenn wir Verständnis für schwierige persönliche Situationen haben, sind wir als Unternehmen verpflichtet, wirtschaftlich zu handeln. Daher müssen wir – unabhängig von der Dauer der Kundenbeziehung – Verträge kündigen, wenn Zahlungen über einen längeren Zeitraum ausbleiben", so Ökostrom. Nach einer offenen Rechnung von 33 Euro und 15 Jahren ist nun also Schluss mit Daniel und Ökostrom.

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