Was für ein Saisonstart! Julia Scheib hat das erste Weltcup-Rennen des Winters in Sölden gewonnen – und damit nicht nur sich selbst, sondern auch dem ÖSV ein lang ersehntes Erfolgserlebnis beschert. Der letzte Sieg einer ÖSV-Dame im Riesentorlauf lag unglaubliche 79 Rennen zurück, 2016 siegte damals Eva-Maria Brem in Jasna.
Im Ziel sind dann alle Emotionen rausgebrochen: "Der erste Weltcupsieg ist immer was ganz Besonderes. Ein perfekter Tag." Und zugleich ein emotionaler Rückblick: "Die Zeit vergeht so schnell. Ich kann mich noch an Anna Fenningers Sieg erinnern, es wirkt, als wäre das gar nicht lange her. Das ist crazy, dass ich da jetzt an der gleichen Stelle stehen darf."
Den Sieg hat die Steirerin auch ihrer neu gewonnenen Lockerheit zu verdanken. "Immer unter Spannung zu sein, ist nicht gut. Ich habe meine Ruhe gefunden und mich sehr gut gefühlt", schilderte Scheib. "Die Lockerheit war aber dabei. Die ging mir bisher ab", erklärte die Österreicherin. Der Sieg habe sich fast "zu leicht" angefühlt.
Absehbar war der Erfolg vor dem ersten Saisonrennen allerdings nicht. "Heuer hatte ich wirklich keine Erwartungen. Die Vorbereitung war durchwachsen. Ein neues Trainerteam, ein neuer Servicemann. Aber genau das hat es vielleicht ausgemacht. Ich habe meine Lockerheit wiedergefunden, die mir bisher oft gefehlt hat", so Scheib. In der Tonart soll es diese Saison weiter gehen. Die gewohnt ehrgeizige 27-Jährige gestand: "Ich suche nach der Perfektion."
Als Favoritin bei den Olympischen Spielen sieht sich die ÖSV-Fahrerin trotz ihres Sieges beim Weltcup-Auftakt nicht. "Ein Rennen zu gewinnen ist gut, aber es ist noch lange bis dahin", erklärte die 27-Jährige. Sie weiß, dass noch einiges an Arbeit vor ihr liegt: "Auf eisigen Pisten habe ich immer noch kein Rezept." Dennoch gab die Steirerin für die Olympiade die Marschrichtung vor: "Das Ziel ist eine Medaille."