Walter Ruck konnte seinen Parteiausschluss nicht mehr verhindern. Obwohl sich der Wiener Wirtschaftskammerpräsident vor der Sitzung des Bundesparteivorstands mit einem Brief an die Parteispitze gewandt hatte, beschloss die ÖVP am Freitagabend einstimmig seinen Rauswurf.
In einer Aussendung, die "Heute" vorliegt, betont die Volkspartei, dass das heimliche Mitschneiden von Gesprächen "ein eklatanter Bruch eines guten, vertrauensvollen Miteinanders" sei und klar abzulehnen sei. Betroffene sollten ein solches Vorgehen gegebenenfalls auch rechtlich verfolgen.
Unabhängig davon habe die Öffentlichkeit aber zu Recht eine Klarstellung der Vorwürfe durch Walter Ruck erwartet – etwa in Form eines öffentlichen Statements, einer Entschuldigung oder durch die Übernahme von Verantwortung bis hin zum Rücktritt aus Funktionen.
Zugleich distanzierte sich die ÖVP klar von den kolportierten Aussagen. Diese seien "in keinster Weise mit den Werten und der Weltanschauung der Volkspartei vereinbar". Zudem wäre es notwendig gewesen, dass Ruck an der Aufarbeitung oder Klärung der Vorwürfe mitwirke und so weiteren Schaden von der Partei abwende. Dies sei trotz entsprechender Aufforderung nicht erfolgt.
Als Konsequenz beschloss der Bundesparteivorstand schließlich einstimmig, Walter Ruck mit sofortiger Wirkung aus der Volkspartei auszuschließen.
Wenige Stunden zuvor hatte sich bereits der Ethikrat der Volkspartei für einen Parteiausschluss des Kammerchefs ausgesprochen.
In einer ersten Reaktion auf den Parteiausschluss ließ Walter Ruck am späten Abend gegenüber "Heute" erklären: "Wir nehmen zur Kenntnis, dass diese Entscheidung getroffen wurde. Haben bekanntlich eine andere Meinung dazu. Wir werden eine Berufung dagegen prüfen."
Der Kammerchef hatte bereits am Vormittag in seinem Schreiben an den Parteivorstand, das "Heute" vorliegt, das Vorgehen der Partei kritisiert und sich "verwundert" über die Entwicklungen gezeigt. Er bestritt die gegen ihn erhobenen Vorwürfe und erklärte, die veröffentlichten Aussagen seien nicht verifiziert. Zudem habe es aus seiner Sicht keinen rechtlich relevanten Vorwurf gegen ihn gegeben. Ruck erklärte sich ebenso verwundert, dass ein bereits vereinbartes Gespräch mit dem ÖVP-Ethikrat kurzfristig abgesagt worden sei.
Vom Parteiausschluss unberührt bleiben laut Ruck seine Funktionen als Obmann des Wiener Wirtschaftsbundes und Präsident der Wiener Wirtschaftskammer. Wie der Kammerchef bereits Stunden vor seinem Ausschluss betonte, werde er die Funktionen weiterhin ausüben und "wie bisher mit vollem Herzblut für den Wiener Wirtschaftsstandort arbeiten".