Ob Salat, Erdäpfel oder knackiges Gemüse aus Oberösterreich – was täglich frisch in den Regalen landet, ist harte Arbeit. Viel harte Arbeit. Damit die Ernte überhaupt eingebracht werden kann, braucht es auf den Feldern und Höfen vor allem eines: verlässliche Helfer.
Genau daran mangelt es aber seit Jahren: "In der Landwirtschaft ist es ganz schwierig, für manuelle Tätigkeiten Österreicher zu finden – kaum bis gar keine", sagt Ewald Mayr, Obmann der oberösterreichischen Gemüse-, Erdäpfel- und Obstbauern, im Gespräch mit "Heute". Die Arbeit sei "körperlich wirklich extrem anstrengend", gefragt seien deswegen vor allem "junge, gesunde und motivierte Leute".
Die habe man früher in Osteuropa gefunden. Doch dieses Modell bröckelt zunehmend: In vielen Herkunftsländern geht es wirtschaftlich bergauf – damit sinkt auch der Anreiz, für ein paar Monate zur körperlich harten Erntearbeit nach Österreich zu kommen. Speziell für OÖ käme ein weiterer Nachteil dazu: Es gibt keine direkten Nachbarländer, aus denen unkompliziert Arbeitskräfte nachrücken könnten.
Gleichzeitig verschärft sich die Konkurrenz: Länder wie Deutschland bieten deutlich attraktivere Bedingungen und ziehen viele Arbeitskräfte ab. Dort können Saisonarbeiter 90 Tage lang ohne zusätzliche Lohnnebenkosten beschäftigt werden. Heißt: "Ein deutscher Bauer kann netto viel mehr auszahlen als ein österreichischer", erklärt Mayr.
Deshalb setzen viele Betriebe längst auf Arbeitskräfte aus Drittstaaten. Mayr selbst sorgte schon vor einigen Jahren mit einer ungewöhnlichen Aktion für Aufsehen: Er ließ Erntehelfer sogar aus Vietnam einfliegen: "Das war ein Experiment, das recht gut geglückt ist", sagt er heute.
Tatsächlich hat sich das Modell längst etabliert: Viele der vietnamesischen Arbeitskräfte kommen inzwischen bereits zur fünften oder sechsten Saison nach OÖ zurück, seien "sehr fleißig" und mittlerweile "Stammarbeiter – und das wird sich auch nicht ändern", freut sich Mayr. Auf seinem Familienbetrieb im Bezirk Eferding werden Arbeiter aus rund sechs Nationen beschäftigt – er lobt die friedliche und gute Zusammenarbeit im Team.
Für den Gemüsebauern ist das nicht nur gelebter Alltag, sondern ein entscheidender Erfolgsfaktor: "Ohne Ausländer müssten wir am ersten Tag zusperren. Einen professionellen Obst- und Gemüseanbau könnte man nicht aufrechterhalten." Deshalb gibt es im Betrieb auch gemeinsame Ausflüge und Teambuilding-Events – etwa aufs Welser Volksfest, wo seine Erntehelfer schon einmal die größte Gruppe im Bierzelt stellten. Für ihn sind sie weit mehr als bloße Saisonkräfte: "Es sind die, die jeden Tag dafür sorgen, dass unsere Regale voll sind."
Der Blick auf die Felder zeigt für Mayr aber noch etwas anderes: "Auch wenn sich viele beschweren – daran sieht man, wie gut es uns eigentlich geht." Denn viele Österreicher wollen die harte Arbeit am Feld schlichtweg nicht machen. Dass Obst und Gemüse trotzdem verlässlich geerntet werden, sei deshalb vor allem den ausländischen Arbeitskräften zu verdanken. Oder anders gesagt: Weil Menschen aus dem Ausland anpacken, müssen viele Österreicher diese Knochenarbeit gar nicht erst machen.