Ohne Frauen keine Lizenz? Das plant ÖFB für die Liga

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Vor einem Jahr ließ der ÖFB mit der Idee aufhorchen, die Lizenzierung der Männer-Bundesliga-Vereine von einem Frauen-Team abhängig zu machen. Präsident Leo Windtner hat bei einer Podiumsdiskussion des Vereins "Wir Frauen im Sport" über die Zukunftsstrategien im Frauenfußball gesprochen.
Es war das Sommermärchen 2017. In Österreich herrscht eine Fußball-Euphorie. Ausgelöst durch das österreichische Nationalteam der Frauen.

Was vom Hype übrig blieb



Viktoria Schnaberbeck, Nina Burger und Co. schaffen es bei der Europameisterschaft in den Niederlanden bis ins Halbfinale. Das Team von Dominik Thalhammer ziert plötzlich die Titelseiten, im Viertelfinalspiel gegen Spanien fiebern 1,2 Millionen Zuseher live im ORF mit. 12.000 Zuseher besuchen das Public Viewing am Rathausplatz zum Spiel gegen die Däninnen.

Doch was blieb übrig von diesem Hype?

CommentCreated with Sketch.1 zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. Nicht viel. Zwar werden die Spiele der ÖFB-Frauen mittlerweile im ORF übertragen. Auch ORF Sport plus zeigt vereinzelt Spiele der Frauen-Bundesliga. In der höchsten Liga der Männer hat die Euphorie aber so gut wie keine Spuren hinterlassen. Die großen Vereine wie Red Bull Salzburg oder Rapid haben bis heute keine Frauenteams.

Vor einem Jahr ließ der ÖFB mit der Idee aufhorchen, die Lizenzierung der Männer-Bundesliga-Vereine von einem Frauen-Team abhängig zu machen. Der Verein "Wir Frauen im Sport" wollte wissen, was aus diesem Vorhaben geworden ist und lud am Mittwochabend unter dem Titel "Ohne Frauen keine Lizenz?!" zur Diskussion ins Filmquartier in Wien.



Unter der Moderation von WIFIS-Obfrau Elisabeth Auer diskutierten ÖFB-Präsident Leo Windtner, Wilfried Schmaus (Präsident des Frauenfußball-Meisters SKN St. Pölten), Martin Pototschnig (Sportdirektor Frauenfußball FK Austria Wien) und Co-Trainerin sowie langjährigen Spielerin des Rekordmeisters SV Neulengbach, Maria Gstöttner, über die Zukunft des Frauenfußballs in Österreich.

Lizenzbedingung in drei bis fünf Jahren denkbar



In dem Papier des ÖFB "Strategie 2018-2023" ist ein Schwerpunkt zur Förderung des Frauen- und Mädchenfußballs in Österreich zu finden. Konkret heißt es auf Seite elf: "(...) Auch ist in Zusammenarbeit mit der Bundesliga die Möglichkeit auszuloten, bei jedem Bundesligisten verpflichtend ein Mädchen- oder Frauenteam zu führen."

In Italien gibt es diese Regelung bereits. "Eine sofortige Lizenzbedingung wäre zu radikal", erklärt Leo Windtner bei der Diskussion. Aber: "Es wäre notwendig, die Großen zu überzeugen." Der ÖFB-Präsident habe mit dem einen oder anderen Verein bereits über das Thema gesprochen. Etwa mit Red Bull Salzburg oder mit dem LASK. Die Vereine, so Windtner weiter, sollten sich aber damit vertraut machen, "dass ein Frauen-Team in drei bis fünf Jahren als Lizenzkritierium kommen kann."

Der aktuelle und fünffache Meister der Frauen, SKN St. Pölten ist in Kooperation mit dem gleichnamigen Männerverein. Sportlich bringe diese Kooperation laut Vereinspräsident Wilfried Schmaus aber nichts.

Die Wiener Austria, die in Spielgemeinschaft mit dem Traditionsverein USC Landhaus in der Frauenliga vertreten ist, profitiere vom Know-How der Austria, wie Martin Pototschnig, Sportdirektor für Frauenfußball bei der Austria festhält. Der Frauenfußball habe bei den Veilchen einen Stellenwert erhalten, den man zunächst nicht für möglich gehalten habe.

Windtner: "Wurden vom Erfolg überrascht"



Angesprochen auf die Erfolge im Frauen-Nationalteam meinte Windtner: "Wir konnten den Hype aus 2017 nicht optimal nutzen und wurden vom Erfolg überrascht. Es war nicht möglich, von heute auf morgen den Schalter umzulegen. Man erkennt nach wie vor das Potenzial nicht, das Frauenfußball für einen Verein bringt."



Soll der ÖFB also Geld für Männer-Vereine zur Verfügung stellen, damit sie sich eine Frauenabteilung leisten können? "Es ist nicht unser Job, Spitzenfußball zu fördern, wir können nur Anreize schaffen", meint Windtner.

Die Bundesliga der Frauen steht unter Patronanz des ÖFB, infolge des EM-Halbfinaleinzugs des Nationalteams 2017 gelang es mit "Planet Pure" einen Sponsor für die Liga zu finden.

St. Pölten-Präsident Schmaus kritisiert dennoch die mangelnde Unterstützung des ÖFB: "Die Liga wird als einzige in Europa ehrenamtlich geführt." Generell sei das Gefälle in der höchsten Spielklasse zu groß. St. Pölten dominiert seit Jahren nach Belieben. "Wir erzielen im Schnitt 6,44 Tore pro Spiel. Ich wünsche mir, dass wir einmal verlieren", erklärt Schmaus. Auch Pototschnig konstatiert: "Auf Klubebene verlieren wir an Terrain gegenüber anderen europäischen Ligen."

Gstöttner: "Zu meiner Zeit war das Hausfrauenfußball"



Die österreichische Liga ist eine Amateurliga. Lediglich St. Pölten beschäftigt einige (derzeit zehn) Profi-Spielerinnen. Insgesamt gibt es in Österreich rund 20.000 Fußballerinnen. Laut Windtner müsse man hier nachlegen. Das Nationale Zentrum für Frauenfußball in St. Pölten leistet zwar gute Arbeit, die meisten Spielerinnen gehen dann aber ins Ausland.



Auch in der Infrastruktur sieht der ÖFB-Präsident ein Problem. Diese sei "ein Hemmschuh für die Entwicklung des Frauenfußballs in Österreich." In Wien sei die Infrastruktur "katastrophal".

Der SV Neulengbach holte zwischen 2003 und 2014 zwölfmal in Serie den Meistertitel. Ex-Nationalspielerin Maria Gstöttner war bei allen Erfolgen dabei. "Zu meiner Zeit war das Hausfrauenfußball", sagt die 35-Jährige. Die rosigen Zeiten bei Neulengbach, 2014 Viertelfinalist der Champions League, sind vorbei. Gstöttner: "Vor zwei Jahren waren wir kurz vor dem Zusperren."

Am Ende der Diskussion kehrt man wieder zur Ausgangsfrage zurück. Pototschnig: "Wir müssen Überzeugungsarbeit bei den Männer-Vereinen leisten." Das sei ein wesentlicher Punkt, um den Frauenfußball auf Klubebene voran zu bringen.



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