WM 2022

"One Love"-Eklat: Gelbe Karte ist gar nicht möglich

Europas Fußballverbände sind bei der umstrittenen WM in Katar vor der FIFA in die Knie gegangen. Waren es nur leere Drohungen des Weltverbands? 
Heute Redaktion
22.11.2022, 18:27
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Sieben europäische Teams - Deutschland, England, die Niederlande, Belgien, die Schweiz Wales und Dänemark - wollten bei der Wüsten-WM ein deutliches Zeichen setzen, die Kapitäne sollten die "One Love"-Armschleife tragen. Diese wurde alternativ zur Regenbogenbinde erfunden, steht nicht nur für Rechte der LGBTQ-Community, sondern auch für Rechte von Frauen und Arbeitsmigranten. Allerdings wird kein Spielführer mit dieser Armschleife auflaufen. 

Denn die europäischen Verbände haben am Montag dem starken Druck der FIFA nachgegeben. Der Weltverband drohte mit sportlichen Strafen für die Kapitäne. Den Verbänden seien etwa gelbe Karten angedroht worden, die Kapitäne hätten demnach bereits im Spielertunnel die Verwarnung gesehen. Viele sprechen allerdings  von einer leeren Drohung. 

Gelb ist nicht möglich

"Dass die FIFA uns auf dem Platz bestrafen will, ist einmalig und geht gegen den Geist des Sports", zeigte sich der niederländische Verband erschüttert. "Wir konnten unsere Spieler nicht in eine Situation bringen, in der sie eine gelbe Karte bekommen könnten oder gar gezwungen werden, das Spielfeld zu verlassen", teilte Englands Verband mit. Kapitän Harry Kane wäre der erste Spieler mit der "One Love"-Binde gewesen. 

Doch seit der Androhung der FIFA fragen sich Fußballexperten weltweit, womit eine gelbe Karte für die Spielführer gerechtfertigt worden wäre? Denn im FIFA-Regelwerk findet sich kein derartiger Passus. So sagte unter anderem der deutsche Schiedsrichter-Experte Alex Feuerherdt von "Collinas Erben" bei "ntv.de", dass die "One Love"-Schleife nicht zu einer Verwarnung führen dürfe. "Ich suche nach der Regelgrundlage für die Entscheidung seitens der FIFA, ich finde sie nicht", meinte der Schiedsrichter-Experte. 

"Bezweifle, dass Gelb vom Regelwerk gedeckt ist"

Die FIFA berief sich derweil auf Artikel 13.8.1 des Ausrüstungsreglements. Darin heißt es: "Für FIFA-Finalwettbewerbe muss der Kapitän jeder Mannschaft eine von der FIFA gestellte Armschleife tragen." Weiters ist vermerkt, dass politische Botschaften verboten sind, allerdings sei eine Strafe durch den Schiedsrichter nur vorgesehen, wenn die aufgedruckte Botschaft beleidigend ist. Sollte die FIFA die "One Love"-Binde als Verhöhnung für die katarischen Gastgeber werten, würde das ihre eigenen Werte untergraben. 

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Das normale Vorgehen wäre ein Vermerk im Protokoll des Schiedsrichters. Dieses würde dann an den Veranstalter gehen. Eine direkte Sanktion für den Spieler sei damit nicht möglich. "Ich bezweifle, dass die Anweisung an die Referees, das Tragen dieser Binde mit Gelb zu ahnden, vom Regelwerk gedeckt ist", urteilte Feuerherdt. Ein Kapitän könne für ein und dasselbe Vergehen ohnehin nur eine gelbe Karte sehen. Gelb-Rot im Kabinengang für das Weigern, die Binde abzunehmen, sei damit nicht denkbar. 

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