Seit Anfang Juni wartet ein 73-jähriger Pensionist aus Rosenbach auf eine Gefäßoperation im Klinikum Klagenfurt. Der Eingriff sollte die Durchblutung seines Zehs verbessern und verhindern, dass weiteres Gewebe abstirbt. Doch der geplante Operationstermin wurde kurzfristig abgesagt – darüber berichtet die "Kleine Zeitung".
"Der Zeh wird nicht mehr vollständig zu retten sein, das hat man mir auch am Telefon gesagt", erzählt der Kärntner gegenüber der Tageszeitung. Er fürchtet, dass ihm der Zeh amputiert werden muss. "Ich fühle mich im Stich gelassen. Das System ist krank. Ich habe 45 Jahre lang eingezahlt - wie kann es sein, dass ich jetzt keine Hilfe bekomme?"
Auslöser der Probleme war eine zunächst kleine Wunde am Fuß. Durch diese drang ein Keim ein und verursachte Komplikationen. Nach mehreren Untersuchungen in zwei Kärntner Krankenhäusern wurde der Pensionist schließlich im Klinikum Klagenfurt stationär aufgenommen und operiert, berichtet die Tageszeitung.
An seinem behandelnden Arzt übt der 73-Jährige keine Kritik. Im Gegenteil: Er bezeichnet ihn als "eine Koryphäe" und lobt auch das übrige Personal. Bei der Nachbehandlung stellte sich jedoch heraus, dass die Durchblutung des Zehs eingeschränkt ist und eine gefäßchirurgische Operation notwendig wird, heißt es weiter.
Kurz vor dem geplanten Eingriff erhielt der Pensionist dann den Anruf aus dem Krankenhaus: Die Operation müsse verschoben werden.
Auf Anfrage erklärte die Kabeg gegenüber der "Kleinen Zeitung" den Grund: "Aufgrund einer überdurchschnittlich hohen Anzahl an akuten Patientenfällen entstanden an der Abteilung für Herz-Thorax und Gefäßchirurgie leider unplanmäßig längere Wartezeiten. Vor diesem Hintergrund musste die von Ihnen erwähnte Operation bedauerlicherweise verschoben werden."
Auch der Versuch, die Operation in einem anderen Krankenhaus durchführen zu lassen, blieb erfolglos. Dort wurde dem Kärntner mitgeteilt, dass der notwendige Eingriff nicht angeboten werde.
Die Kärntner Patientenanwaltschaft verweist in der Tageszeitung darauf, dass sie für die Terminvergabe nicht zuständig ist. "Wer wann operiert wird, entscheidet sich nach medizinischen Kriterien und wird entsprechend triagiert." In besonders dringenden Fällen könne allerdings der zuweisende Arzt oder die zuweisende Ärztin bei der behandelnden Abteilung intervenieren.
Trotz der belastenden Situation versucht der Pensionist, optimistisch zu bleiben. "Ich kann mit zehn Zehen gut leben, warum sollte ich es mit neun nicht auch gut können", sagt er zur "Kleinen Zeitung". Er hofft weiterhin, dass der nächste Operationstermin stattfinden und sein Zeh doch noch gerettet werden kann.
Lange Wartezeiten auf Operationen sind in Österreich keine Seltenheit. Laut einer Studie von krankenversichern.at aus dem Vorjahr warten Patienten in sieben von zehn Fachbereichen länger als 16 Wochen auf einen Eingriff.