In einer Halle in der Forchheimgasse in Wien-Liesing, die so groß ist wie acht Tennisplätze, betrieben drei Wiener (42, 46, 55) eine hochprofessionelle Cannabis-Produktion. Sie hatten dazu die bestehende Infrastruktur eines früheren CBD-Betriebs übernommen und für die illegale Produktion von THC-haltigem Cannabiskraut genutzt – "Heute" berichtete.
Nun gibt es weitere Details zu dem spektakulären Fall: Die drei Verdächtigen sollen die illegale Cannabis-Produktion wie eine echte Firma betrieben haben. Dazu waren sie in die legale CBD-Produktion in der 3.200 m² großen Halle eingestiegen und hatten das Unternehmen dann übernommen. Laut Polizei übernahmen sie die komplette Einrichtung, verfügten sogar über ein Testlabor. Mit dessen Hilfe gelang es ihnen wohl auch, die Qualität ihrer "Ware" zu optimieren. Laut Polizei hatte das produzierte Cannabis einen sehr hohen THC-Gehalt von 20 Prozent.
Der 42-jährige Haupttäter, der über eine juristische Ausbildung verfügen soll, war laut Polizei als Geschäftsführer tätig. Er wurde auf der kroatischen Insel Hvar geschnappt, wo er untertaucht war.
Der 55-jährige Verdächtige hatte bei dem illegalen Cannabis-Unternehmen die Rolle des Verkaufsleiters. Bei seiner Festnahme in Österreich soll der Mann 90.000 Euro in einem Papiersackerl bei sich gehabt haben.
Der 46-jährige Festgenommene fungierte laut Polizei als Produktionsleiter. Er soll 20 Handys besessen und Wohnungen unter falschem Namen angemietet, täglich zwölf Stunden gearbeitet haben. Aufgrund seiner Kontrollsucht hatte er sich den Spitznamen "Psychonaut" erworben. So soll er von seinen "Läufern", die die Drogen an den Kunden brachten, verlangt haben, ihm den Verkaufserlös nur in großen Scheinen zu übergeben. Waren mehr als zehn Prozent kleine Scheine dabei, mussten sie eine Pönale an ihn bezahlen. Das gab der Polizeiaktion, die am 9. September 2025 schließlich in der Festnahme der drei Männer mündete, auch den Namen: Operation "Psycho".
Als "Gärtner" beschäftigten die drei "Firmenchefs" laut Polizei mindestens neun Männer aus Serbien und Bosnien. Diese waren illegal in Österreich, sollen sogar in der Produktionshalle gewohnt haben. Die Halle verfügte dazu über eine Küche, Schlafmöglichkeiten und Co.
Die Kripo hatte die drei Hauptverdächtigen bereits seit 2019 auf dem Radar. Damals sollen sie an einer anderen Stelle in Wien versucht haben, einen Tunnel zu einem Elektroverteiler zu graben. Als dabei aber der Gehsteig über dem Tunnel einstürzte, wurde aus dem "Geschäft" vorerst nichts. Dafür war aber die Neugier der Ermittler der Gruppe Frey geweckt – und das Dranbleiben zahlte sich aus.
Die Beamten beobachteten das Treiben der drei Männer weiter, bewiesen dabei viel Geduld. Ende 2024 nahmen die Ermittlungen dann Fahrt auf, in der Folge kam es zu mehreren Scheinkäufen durch die Kripo-Beamten. Am 9. September 2025 erfolgte dann schließlich der Zugriff: Staatsanwaltschaft Wien, WEGA und weitere Einsatzkräfte stürmten die Halle in Wien-Liesing und nahmen dabei neun "Gärtner" fest.
Beim Zugriff wurden insgesamt rund eine Tonne Cannabiskraut mit einem geschätzten Verkaufswert von etwa 4,5 Millionen Euro sowie rund 1,4 Millionen Euro Bargeld, Gold, Wertgegenstände, gefälschte Ausweise und eine zur Fahndung ausgeschriebene Glock-Pistole sichergestellt. Darunter befanden sich 9.720 Cannabispflanzen, rund 300 Kilogramm bereits geerntetes Cannabiskraut sowie rund 500 Kilogramm verkaufsfertige Ware aus Lagerräumen.
Auch für die "Firmenchefs" klickten die Handschellen. Der Produktions- und der Verkaufsleiter wurden in Österreich geschnappt. Der Geschäftsführer war auf die kroatische Insel Hvar geflüchtet, wo schließlich auch er gefasst wurde. Im Februar 2026 wurde er nach Österreich ausgeliefert. Die Ermittlungen laufen.