Im Sportoutfit und mit zerzausten Haaren schlurfte der ehemalige Friseur (55) Mittwoch (10.6.) in den Saal 301 am Wiener Landl. Dort wurde sein patschertes Leben vor dem Richter ausgebreitet. Laut Staatsanwältin soll der Mann an einer schizo-affektiven Störung leiden, sogar wegen banaler Alltagssituationen regelmäßig die Nerven verlieren – und Delikte begehen. Ein Vorfall stach im Februar heraus.
"Ich hab' einen Joint in der Hand gehabt, in der U6. Ein Mann hat mich massiv beschimpft, wie ich den Joint angezündet habe", erzählte der Betroffene. "Schleich’ dich raus", soll der 55-Jährige daraufhin zu seinem Widersacher gemeint haben.
Zur Untermauerung zückte er ein Springmesser und fuhr die Klinge aus. "Es gab ein Gerangel, ich wollte mich verteidigen." Das Opfer ergriff in der Station Am Schöpfwerk (Wien-Liesing) die Flucht, ließ sein Fahrrad in der U-Bahngarnitur stehen. Der Verdächtige soll auch noch zwei weitere Fahrgäste mit dem Messer bedroht haben. Vor Gericht stritt er das ab. Der Vorfall in der U6 war laut Gericht kein Einzelfall.
So soll sich der 55-Jährige auch einen schweren Auszucker in der U2-Station Volkstheater (Wien-Neubau) geleistet haben. Dort zündete er sich eine Zigarette an. Als ihn die Securitys zurechtwiesen, lief der Frühpensionist heiß. "Na, kumm her", rief er dem Sicherheitsmann zu und drohte mit einem Messer. "Na, ich hab’ nur Dampf abgelassen. Sie wissen ja, wie das so auf der Straß'n ist", so der Wiener zum Richter. "I hab’ niemanden bedroht."
Schon wenige Tage danach soll es den nächsten Vorfall gegeben haben. Der 55-Jährige tauchte trotz Wegweisung bei seinen Adoptiveltern auf, sorgte im Garten für gehörigen Radau. "Wie wir gekommen sind, hat er gleich begonnen uns zu beschimpfen", so ein Polizist im Zeugenstand. "Wann i ausse kum, bring ich euch um", soll der Betroffene den Beamten gedroht haben.
Bei einem anschließenden Gerangel wurde ein Beamter an der Schulter verletzt, der 55-Jährige schließlich festgenommen. "Es ist weiter mit Straftaten von ihm zu rechnen", so die Staatsanwältin. "Es gibt eine positive Gefährlichkeitsprognose." Der Senat wollte nichts anbrennen lassen – Einweisung in ein forensisch-therapeutisches Zentrum.