Der Jahreswechsel 2022/23 sollte für Tobias Messerer mit Freunden und einem Feuerwerk beginnen. Tatsächlich endete der Silvesterabend des Teenagers in Lichtenau im Waldviertel in einer Tragödie, die sein Leben für immer veränderte.
Die Explosion des "No. 1 Supersize", ein 200-Gramm-Böller, kostete Tobias Messerer (19) die rechte Hand, sein rechtes Auge – und fast sein Leben. Zu Silvester 2022/2023 wollte der damals 16-Jährige am Sportplatz in Lichtenau (NÖ) um Punkt Mitternacht den Mega-Kracher zünden. Der F4-Böller, den er zuvor illegal in Tschechien gekauft hatte, "hat in der Sekunde durchgezunden und ist in meiner Hand explodiert", erinnert sich der Niederösterreicher im "Heute"-Gespräch.
Sein Zustand war kritisch, auch Herz und Lunge hat es schwer getroffen, rund 30 Operationen hat Messerer inzwischen hinter sich: "Vor vier Wochen die letzte, als ein Draht entnommen werden musste, der einen Nerv belastete."
Alkohol, Rauchen: Vor dem Unfall sei er "der größte Rabauke" gewesen, die Explosion verstand er als "letzte Warnung. Die Ärzte im Krankenhaus St. Pölten haben unfassbare Arbeit geleistet, das Weiterkämpfen bin ich ihnen schuldig."
Heute trägt der 19-Jährige eine Armprothese, arbeitet als Maurer: "Es funktioniert besser als gedacht, ich kann mit der Prothese drei Finger bewegen." Seine Hobbys: Wandern, Rennradfahren "und jetzt im Winter Skifahren".
Auf Social Media warnt der Teenager aber vor den Gefahren: "Mein Appell ist ganz klar: Aufhören mit dem Böllerschießen, es kann bei jedem Böller immer etwas passieren." Seine Silvester-Pläne geht das Unfallopfer nun viel ruhiger an.
Unwissend hatte er übrigens den fürchterlichen Moment vor drei Jahren sogar in einem Handyvideo aufgenommen. "Der Böller wird gleich so geil sein, Alter. Den zerreißt es jetzt." Das Video zeigt einen großen Feuerwerkskörper. Dann wird der Bildschirm schwarz, danach sind nur mehr Funken zu sehen.
Der Böllerunfall hatte auch für massive innere Verletzungen gesorgt: Tobias erlitt ein rund fünf Zentimeter großes Loch im Herzen, mehrere Löcher in der Lunge sowie zwei faustgroße Verletzungen im Brustkorbbereich. Schwer verletzt kroch der Jugendliche an den nächsten Straßenrand, wo eine Passantin ihn auffand und den Notarzt verständigte.
Mit dem Rettungshelikopter wurde er ins Spital geflogen, auf dem Weg dorthin erlitt Tobias M. einen Herzstillstand. Seine Herz-Operation dauerte 21 Stunden, darauf folgten drei Wochen Koma und zwischenzeitlich sogar eine "Mords-Blutvergiftung" am vierten Tag nach dem Unfall.
Nach dem Schreckensereignis mussten Tobias im Uniklinikum St. Pölten die rechte Hand und sein halber Unterarm amputiert werden. Damit nicht genug: "Ich hab außerdem mein Augenlicht auf meinem rechten Auge verloren und einen Kieferbruch erlitten."
Seit dem Schicksalsschlag ist Zeit vergangen, in der der heute 19-Jährige das Erlebte verarbeitet hat. Verarbeiten musste. "Im Krankenhaus war ich ein emotionales Wrack", erzählt der Überlebende auf TikTok, "aber ich habe mich dazu entschieden, einfach weiterzumachen. Dass ich diese weitere Hürde nach dem Unfall auch überstehen werde. Weil ich diesen Unfall auch überstanden habe."
Das Überleben bezeichneten behandelnde Ärzte als nahezu wunderhaft – angesichts der Schwere seiner Verletzungen. Peter Bergmann ist Herzchirurg in St. Pölten, er rettete Tobias M. mit seinen Kollegen das Leben. Die Wahrscheinlichkeit, dass man das nicht überlebt, sei wesentlich größer gewesen, so der Mediziner.
Heute hat es Tobias Messerer zurück ins Leben geschafft, er streamt auf Social Media Videospiele von Motorsport. In Interviews und TikTok-Videos nach dem Unfall will das Böller-Opfer andere warnen. Er appelliert: "Lasst's das einfach mit dem illegalen Böllerschießen."