Laufen erfreut sich ungebrochener Beliebtheit. Ob Halbmarathon, Marathon oder HYROX - immer mehr Menschen trainieren nach strukturierten Plänen und investieren viel Zeit in ihre Ausdauer. Doch dabei machen viele einen gravierenden Fehler.
Der Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, Dr. Daniel P. Berthold, beobachtet in seiner Praxis ein wiederkehrendes Problem: Viele Läufer trainieren Herz und Kreislauf, kümmern sich aber zu wenig um die Strukturen, die sie überhaupt erst belastbar machen.
Wie chip.de berichtet, ist jeder Laufschritt eine enorme Belastung für Muskeln, Sehnen, Knochen und Gelenke. Diese Belastung muss nicht nur toleriert, sondern langfristig verarbeitet werden können. Genau an diesem Punkt entstehen häufig Probleme.
Während Läufer konditionell oft schnell besser werden, passen sich Sehnen, Knochen und Muskeln deutlich langsamer an. Die häufigsten Beschwerden betreffen laut dem Experten Knieschmerzen, Achillessehnenprobleme, Beschwerden an Fuß und Sprunggelenk sowie Schmerzen im Unterschenkel.
Besonders häufig sind das sogenannte Läuferknie, Achillessehnenprobleme oder Beschwerden an der Schienbeinkante. Diese Daten decken sich mit Übersichtsarbeiten an mehr als 23.000 Läufern.
Ein Aspekt wird oft unterschätzt: Laufen ist im Prinzip eine Serie von Einbeinlandungen. Viele Knieprobleme entstehen nicht ausschließlich im Knie selbst, sondern durch Defizite im Bereich von Becken, Hüfte und Beinachse.
Was den Orthopäden überrascht: Viele Läufer investieren mehrere Stunden pro Woche in ihre Ausdauer, betrachten Krafttraining aber noch immer als optional. Dabei ist es die wichtigste Ergänzung zum Laufen.
Richtig dosiert kann Krafttraining die Stabilität verbessern, die Kraftübertragung optimieren und sogar die Laufökonomie positiv beeinflussen. Schon zwei gezielte Einheiten pro Woche können helfen, die Belastbarkeit zu verbessern und typische Überlastungsprobleme zu reduzieren.
Besonders sinnvoll sind Übungen wie Kniebeugenvarianten, Split Squats, Hip Thrusts, Wadenheben oder einbeinige Stabilitätsübungen. Denn am Ende geht es nicht darum, möglichst viele Kilometer zu sammeln - sondern darum, möglichst lange gesund laufen zu können.