Der Fall sorgte zu Silvester 2025 für internationales Aufsehen: Zwei Unterseekabel zwischen Finnland und Estland wurden beschädigt, sofort stand der Verdacht russischer Sabotage im Raum.
Nun hat ein Gericht in Helsinki entschieden: Es war kein Unfall, sondern Absicht! Der russische Kapitän des Frachters "Fitburg" wurde zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt, sein Bootsmann aus Aserbaidschan zu zwei Jahren und zehn Monaten.
Das Urteil ist auch vor dem Hintergrund des hybriden Konflikts zwischen Russland und Europa brisant. Seit Beginn des Ukraine-Kriegs kam es in der Ostsee wiederholt zu Schäden an wichtiger Infrastruktur. Immer wieder geriet dabei Russland unter Verdacht. Die NATO verstärkte deshalb ihre Überwachung der Region.
Was die Richter feststellten, ist brisant: Die "Fitburg" schleifte ihren Anker rund 130 Kilometer über den Meeresboden. Dabei wurden zwei Datenkabel beschädigt. Sieben weitere Kabel und eine Gaspipeline waren ebenfalls in Gefahr.
Der Anker war beim Auslaufen aus St. Petersburg noch ordnungsgemäß eingeholt und wurde erst danach, noch in russischen Hoheitsgewässern, ins Meer gelassen. Ein technischer Defekt wurde ausgeschlossen: Der Verriegelungsmechanismus funktionierte.
Als die finnischen Behörden den schleifenden Anker bemerkten, schlugen sie Alarm. Polizei, Küstenwache und Militär rückten aus. Spezialkräfte seilten sich aus Hubschraubern auf das Deck der "Fitburg" ab und brachten den Frachter unter ihre Kontrolle. Das Schiff wurde mit seinen 14 Besatzungsmitgliedern in einen finnischen Hafen eskortiert. Zwei Seeleute wurden festgenommen, gegen weitere Besatzungsmitglieder wurden Ausreiseverbote verhängt.
Bei der Kontrolle des Frachters machten die finnischen Behörden eine weitere brisante Entdeckung: Die "Fitburg" hatte Stahlprodukte aus Russland geladen, die womöglich unter EU-Sanktionen fielen.
Besonders schwer wiegt, dass das Schiff selbst nach dem ersten Kontakt durch finnische Behörden noch rund zwei Stunden mit schleifendem Anker weiterfuhr. Der Bootsmann wirkte daran laut Gericht aktiv mit.
Die Richter sahen es als erwiesen an, dass beide Männer vorsätzlich handelten. Ihr Ziel sei gewesen, der Gesellschaft und ihrer Infrastruktur möglichst großen Schaden zuzufügen. Dass sieben weitere Kabel und eine Gaspipeline verschont blieben, sei nur Zufall gewesen.
Doch eine entscheidende Frage bleibt offen: Wer den Anker tatsächlich ins Meer ließ und ob die Sabotage im Auftrag Moskaus erfolgte. Eine Beteiligung des Kremls oder russischer Geheimdienste wurde nicht nachgewiesen.
Die beiden Männer müssen sofort in Haft und Schadenersatz leisten. Das Urteil vom Donnerstag ist noch nicht rechtskräftig.
Damit steht für das Gericht die vorsätzliche Beschädigung fest. Ob dahinter eine gezielte Operation Russlands gegen Europas Infrastruktur steckte, bleibt dagegen ungeklärt.