Was "Heute"-Leserin Elisabeth S. schildert, macht fassungslos: Ihre 90-jährige Mutter wurde vom Hausarzt wegen extrem hoher Entzündungswerte dringend ins Krankenhaus Waidhofen an der Thaya eingewiesen. In diesem Zustand musste sie drei Stunden lang auf die richtige Hilfe warten.
Die Rettung brachte die betagte Frau aus dem Bezirk Gmünd vom Hausarzt zwar rasch ins Spital, doch dort folgte die nächste Hiobsbotschaft, erzählt die Tochter: "Mir wurde mitgeteilt, dass meine Mutter zur weiteren Abklärung nach Horn überstellt werden müsse, da bestimmte diagnostische Ressourcen in Waidhofen nicht verfügbar seien. Der behandelnde Arzt erklärte mir gegen 16 Uhr, dass der Transport bereits organisiert worden sei."
Elisabeth S. vereinbarte, sich gegen 19 Uhr telefonisch zu erkundigen. Dann der nächste Schock: "Um 19.10 Uhr erhielt ich schließlich die Auskunft, dass meine Mutter erst vor etwa fünf Minuten abgeholt worden sei." Mehr als drei Stunden habe die 90-Jährige also auf einen Krankenwagen warten müssen.
Besonders bitter aus Sicht der Tochter: Die örtliche Rettung sei direkt gegenüber dem Krankenhaus stationiert gewesen. Trotzdem habe sie den Transport nicht durchführen dürfen. Begründet worden sei das laut Elisabeth S. mit neuen Richtlinien. Krankentransporte würden nur noch von den Johannitern übernommen.
Der zuständige Krankentransport musste demnach aus Spillern anreisen – also rund 97 Kilometer vom Landesklinikum Waidhofen / Thaya entfernt. "Ich empfinde es als unfassbar und erschütternd, dass eine 90-jährige Frau in einem gesundheitlich kritischen Zustand stundenlang auf einen Transport warten muss, obwohl sich Rettungsmittel unmittelbar vor Ort befinden", so die Tochter.
Und weiter: "Für ältere Menschen bedeutet eine solche Situation enormen Stress, Unsicherheit und Angst. Stundenlanges Warten, ohne zu wissen, was passiert, und anschließend weitere Transporte zwischen Krankenhäusern können weder menschenwürdig noch förderlich für eine rasche Genesung sein."
Nach der Behandlung in Horn wurde die Patientin noch in derselben Nacht zurück ins LK Waidhofen / Thaya gefahren. Am Tag darauf wurde sie in Waidhofen operiert, die nächsten zweieinhalb Tage verbrachte sie anschließend in der Intensivstation. "Das Personal in Waidhofen und von den Johannitern war sehr freundlich. Trotzdem darf es nicht sein, dass man drei Stunden auf einen Krankentransport warten muss, obwohl genau solche Wägen nur 100 Meter entfernt vom Spital stehen."
Auf "Heute"-Anfrage erklären die Johanniter NÖ, dass man der Sache intern nachgehen würde: "Solche Rückmeldungen nehmen wir sehr ernst und wir bedauern es, wenn Patientinnen und Patienten lange auf einen Transport warten müssen. Gerade für ältere Menschen kann eine Wartezeit – auch wenn medizinische Betreuung durch ihren Aufenthalt im Spital gewährleistet ist – eine erhebliche Belastung darstellen."
Seit Jahresbeginn seien daher Maßnahmen gesetzt worden: Die Einsatzflotte wurde aufgestockt, zudem wurde eine eigene Niederlassung in Zwettl eröffnet.
Laut Johannitern liegt die durchschnittliche Wartezeit aktuell bei unter 40 Minuten. 96 Prozent aller Transporte würden innerhalb von zwei Stunden durchgeführt. "Dass es dennoch in Einzelfällen zu längeren Wartezeiten kommen kann, lässt sich in einem System, das medizinische Dringlichkeit an erste Stelle setzt, nicht vollständig ausschließen."
Für Elisabeth S. bleibt dennoch ein bitterer Beigeschmack: Wie kann eine 90-Jährige stundenlang warten müssen, wenn Hilfe direkt vor der Tür steht?