Vom Landesklinikum Waidhofen an der Thaya (Bezirk Waidhofen an der Thaya, NÖ) zum Universitätsklinikum St. Pölten (Bezirk St. Pölten, NÖ) mit einem Sekundärtransport: Für Franz Stumvoll (78) aus Münchreith an der Thaya (Bezirk Waidhofen an der Thaya, NÖ) wurde das zum Ärgernis.
Stumvoll war im Krankenhaus Waidhofen an der Thaya, erzählt er im "Heute"-Gespräch. Am 22. März 2026 stand aber um 8 Uhr ein Termin für eine Kapselendoskopie im Universitätsklinikum St. Pölten an. Der Transport? Mit einem sogenannten Sekundärtransport, für den laut vertraglichen Vereinbarungen die Johanniter zuständig sind.
Das Landesklinikum (LK) Waidhofen an der Thaya meldete den Transport am Vortag, am 21. März, für den 22. März um 5.45 Uhr an. "Im Laufe des Tages wurde dem LK Waidhofen jedoch mitgeteilt, dass der Transport erst um 7.30 Uhr stattfinden werde", wandte sich Stumvoll in einem Brief an mehrere Medien.
Eine Fahrt vom Landesklinikum Waidhofen bis zum Universitätsklinikum St. Pölten dauert über eine Stunde – der Termin um 8 Uhr wäre sich also nicht ausgegangen. Erst ein Oberarzt vom Landesklinikum Waidhofen an der Thaya habe noch einen späteren Termin für den Eingriff organisieren können.
Stumvoll weiter: "Die größte Frechheit war allerdings der Anruf der Johanniter am 22.03.2026 um 4.30 Uhr in der Früh – mit der Frage, ob der Termin überhaupt noch aufrecht sei. Für einen Patienten, der vollständig auf den Transport angewiesen ist, ist ein solches Vorgehen absolut respektlos."
"Durch das bestehende Monopol der Johanniter scheint es inzwischen völlig egal zu sein, was für Patientinnen und Patienten notwendig ist", so Stumvoll. Die Haltung "Der Patient hat das zu akzeptieren, wir transportieren, wann wir wollen" sei laut ihm "unerträglich".
Die Draufgabe: Bei dem Transport zurück nach Waidhofen an der Thaya kam es erneut zu Problemen. "Ich musste von 12:30 Uhr bis 15:10 Uhr warten, bis ein Transport organisiert wurde", so Stumvoll.
Der 78-Jährige stellt aber klar: "Die Fahrer der Johanniter leisten hervorragende Arbeit. Das Problem liegt nicht beim Personal vor Ort, sondern im Führungsteam und der Logistik, die ganz offensichtlich stark überfordert sind."
Stumvoll erklärt außerdem, dass ein Pkw mit höherem Einstieg und einem Fahrer genügt hätte. "Stattdessen werden voll ausgestattete Rettungswagen samt Fahrer und Sanitäter eingesetzt –ein unverantwortlicher Umgang mit Ressourcen", so Stumvoll kritisch.
Stumvoll äußert aber nicht nur an den Johannitern Kritik, auch die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) und Landesrat Anton Kasser müssen sich etwas anhören.
"Mich wundert es nicht, dass die ÖGK immer weiter in die roten Zahlen rutscht. Ein überdimensioniertes Management verursacht Kosten, während man bei den Patientinnen und Patienten Leistungen streicht", so Stumvoll über die ÖGK. Bezüglich des Landesrates schreibt er: "Ich frage mich, ob der zuständige Landesrat diesen Missstand überhaupt wahrnimmt oder jemals über die völlig ineffiziente Struktur nachgedacht hat."
"Wir versuchen natürlich, alle Transporte im Rahmen der verfügbaren Ressourcen so gut wie möglich abzuwickeln. Im vorliegenden Fall kann ich mir eigentlich nur vorstellen, dass es bei den Johannitern ein Problem gab, weshalb der Transport zum gewünschten Termin nicht durchgeführt werden konnte", so Philipp Gutlederer, Pressestelle von Notruf NÖ, gegenüber "NÖN". Die Koordination der Rettungs- und Krankentransporte erfolge durch den Notruf NÖ.
Den Auftrag an ein privates Krankentransportunternehmen oder eine andere Rettungsorganisation zu übertragen, sei nicht möglich. Der Wagen brauche die notwendige Ausrüstung und das Personal die notwendige Qualifikation, damit die Transport-Anordnungen der Ärzte erfüllt werden können.
Gutlederer: "Wir können dafür auch nicht ein für Primäreinsätze vorgesehenes Rettungsmittel binden, denn Sekundärtransporte haben, da sich die Patientinnen oder Patienten bereits in einem Spital zur Behandlung befinden, eine niedrigere Dringlichkeit."
Von den Johannitern heiße es gegenüber den "NÖN", dass die Wartezeit bei Sekundärtransporten in letzter Zeit reduziert werden konnte: "Die durchschnittliche Wartezeit liegt bei unter 40 Minuten, 96,5 Prozent aller Transporte werden innerhalb von zwei Stunden durchgeführt. Dieser Zielwert (Wartezeit unter zwei Stunden) wurde auch im Rahmen des Sekundärtransportgipfels vereinbart."
Das Ziel: Sekundärtransporte im Regelfall innerhalb von zwei Stunden. Michael Strambach‑Weissgärber, Geschäftsführer der Johanniter‑Rettungs- und Einsatzdienste, erklärt gegenüber den "NÖN": "Um das zu erreichen, wurde in Zusammenarbeit mit den Kliniken und Notruf Niederösterreich verschiedene Maßnahmen getroffen, wie unteren anderen die stärkere Einbindung des Leistellenarztes sowie eine angepasste Dringlichkeitseinstufung."
Auf "Heute"-Anfrage heißt es aus dem Büro des zuständigen Landesrates Anton Kasser (VP): Man habe sich in der Thematik intensiv bemüht, es gab bereits einen "Sekundärtransport-Gipfel“ mit jetzt spürbaren Verbesserungen. Die Durchschnittswartezeit für einen Sekundärtransport betrage mit den gesetzten Maßnahmen rund 40 Minuten.
"Konkret wurde beispielsweise die Fahrzeugflotte der Johanniter landesweit ausgebaut. Insgesamt gibt es derzeit 32 Fahrzeuge, Mitte April kommt ein weiterer KTW (Krankentransportwagen) hinzu. Mit 4. April geht zudem ein zusätzlicher Standort für die Fahrzeuge in Zwettl in Betrieb. Generell werden zusätzliche Fahrzeuge in die jeweilige Region verlegt, wenn Bedarf besteht oder dieser bereits in der voraussichtlichen Planung absehbar ist", so die NÖ Landesgesundheitsagentur (NÖ LGA) auf "Heute"-Nachfrage.
Und weiter: "Seit Umsetzung dieser Maßnahmen funktionieren die Sekundärtransporte insgesamt sehr stabil."
Dennoch werde jede Rückmeldung ernst genommen, heißt es von den Johannitern. Dass es bei einzelnen Fällen längere Wartezeiten gebe, sei unausweichlich – in diesem System, in dem medizinische Dringlichkeit absolut priorisiert werden müsse, könne man das nicht komplett vermeiden, so zu den "NÖN". Bei einer Qualitätssicherung werden solche Fälle mit den Systempartnern diskutiert – das Ziel sei eine Verbesserung des Sekundärtransports in Niederösterreich.
Die Johanniter bekamen den Zuschlag für die Sekundärtransporte – bei einer Neustrukturierung des Rettungswesens am Anfang des Jahres.
Als das umgestellt wurde, wurde bemerkt: Es kommt zu langen Wartezeiten. "Wir haben festgestellt, dass es sich um ein systematisches Problem handelt", so Michael Prunbauer, NÖ‑Patientenanwalt, zu den "NÖN". Eine zu kleine Fahrzeugmenge sowie noch nicht eingespielte Abfolgen seien die Auslöser dafür gewesen.