Zuletzt gab es vermehrt Medienberichte über Probleme bei Krankentransporten in Niederösterreich. Stundenlange Wartezeiten, wie im Fall eines schwer kranken Patienten aus Horn, der sechs Stunden auf einen Sekundärtransport warten musste, rufen nun die Grünen in Niederösterreich auf den Plan. Sie kritisieren das "Chaos-System" im schwarz-blau regierten Bundesland.
"Es ist genau das eingetreten, wovor wir seit Wochen warnen", sagt die Grüne Gesundheitssprecherin Silvia Moser. Mittels umfassender Anfragen an die Landesregierung und die Landesgesundheitsagentur (LGA) fordert sie nun lückenlose Aufklärung über die prekäre Lage.
Für Moser ist der Fall des Mannes kein Einzelfall, sondern die logische Konsequenz einer verfehlten Ausschreibungspolitik der NÖ Landesgesundheitsagentur (LGA). Insbesondere im Waldviertel zeige sich die Problematik massiv: "Die Menschen sitzen in der Falle: bestellt und nicht abgeholt."
Dabei ist das Waldviertel aus Sicht der Grünen ein Opfer der Zentralisierung im niederösterreichischen Gesundheitswesen. Kliniken und Spitäler wurden zusammengelegt oder aufgelassen, die Notarztstützpunkte reduziert und nun funktioniere nicht einmal die Logistik:
"Es ist medizinisch und menschlich nicht vermittelbar, warum Patient:innen auf Fahrzeuge aus fernen Zentralregionen wie St. Pölten oder Stockerau warten müssen, während wohnortnahe Rettungsfahrzeuge zur Verfügung stünden, aber aufgrund der Vertragskonstruktion nicht gerufen werden dürfen", kritisiert Silvia Moser.
Die Johanniter NÖ hätten etwa im Auftrag des Landes die Sekundärtransporte übernommen, verfügen jedoch in weiten Teilen des Landes – so auch im Waldviertel – über keine eigenen Stützpunkte: "Das Ergebnis sind unzumutbare Anfahrtswege und gefährliche Verzögerungen bei Verlegungen zwischen den Kliniken", sagt Moser.
Mosers Anfragen, die das wahre Ausmaß des Problems ermessen sollen, hat sie an die zuständigen Regierungsmitglieder Anton Kasser (ÖVP) und Eva Prischl (SPÖ) gerichtet. Zudem hat sie ein Informationsbegehren direkt an die LGA gestellt. Die Kernfragen der Grünen umfassen unter anderem:
Wartezeiten und Zwischenfälle – wie viele Patientinnen und Patienten mussten 2023 bis 2025 länger als zwei, vier oder sogar sechs Stunden warten? Gab es dadurch Verschlechterungen des Gesundheitszustandes?
Vertragsinhalte – welche maximalen Eintreffzeiten sind im Vertrag mit den Johannitern eigentlich festgelegt und welche Konsequenzen drohen bei Überschreitung?
Logistik-Check – an welchen Standorten betreiben die Johanniter tatsächlich Stützpunkte und wie sieht der Mindestvorhalt an Fahrzeugen aus?
Zukunftsprognose – wie soll die Transportlogistik mit dem "Gesundheitsplan 2040+" mitwachsen, wenn durch die Schließung von Abteilungen die Zahl der Verlegungen zwangsläufig massiv steigen wird? Patientinnen und Patienten dürfen keine "Verschubmasse" sein.
Silvia Moser warnt: "Wenn die Landesregierung die Konzentration von medizinischen Leistungen vorantreibt, muss sie zwingend sicherstellen, dass die Transportlogistik funktioniert." Aktuell sei das Gegenteil der Fall: "Die Struktur wurde zentralisiert, die Wege wurden länger und die Versorgungssicherheit im ländlichen Raum bleibt auf der Strecke."
Dann hat die Politikerin eine Botschaft an die Landesregierung: "Hier gilt das Gleiche wie bei den geplanten Veränderungen in den Kliniken: zuerst muss der funktionsfähige Ersatz da sein!"