Patientenanwalt wurde aktiv

"4 Stunden warten" – Streit um Krankentransporte

Nachdem ein 68-jähriger Mann aus NÖ stundenlang auf einen Rettungswagen warten musste, kündigt die Landesgesundheitsagentur Verbesserungen an.
Aram Ghadimi
07.02.2026, 05:00
Loading...
Angemeldet als Hier findest du deine letzten Kommentare
Alle Kommentare
Meine Kommentare
Sortieren nach:

Kommentare neu laden
Nach oben

"Die behandelten Ärzte sagten mir, dass ich nur einen Bademantel und ohne Probleme mit den Hausschlapfen fahren kann", sagt Herbert Kössner aus dem niederösterreichischen Litschau zu "Heute". Im Jänner war er in das Landesklinikum Waidhofen an der Thaya aufgenommen worden und sollte zu einer MRT-Untersuchung in eine Röntgenambulanz gebracht werden.

Aufreger in NÖ

Sanitäter der Johanniter würden ihn abholen und wieder in das Spital zurückbringen, habe er gesagt bekommen: "In weiser Vorsicht habe ich auch eine Jogging-Hose angezogen", sagt der 68-Jährige: "Hin ging es in Minuten. Aber nach der Untersuchung hat niemand sagen können, wann der Rettungswagen kommt." Stunde um Stunde habe es geheißen, dass bald ein Wagen der Johanniter eintreffen wird. Doch Kössner wird am Ende vier Stunden gewartet haben. Nachdem "Heute" am Mittwoch berichtet hatte, entwickelte sich der Fall zum Aufreger in NÖ.

Patientenanwalt schaltet sich ein

Kössner, der auf Schwachstellen im Gesundheitssystem aufmerksam machen wollte, hatte sich zuvor an den NÖ Patienten- und Pflegeanwalt, Michael Prunbauer, gewandt – und dieser hatte den Fall an den "Kurier" weitergeleitet. Gegenüber "Heute" sagt Prunbauer: "Aus den Medien sind weitere Fälle bekannt, doch direkte Beschwerden bei uns sind aktuell kaum zu verzeichnen." Das mag auch daran liegen, dass wenige Betroffene überhaupt von dieser Möglichkeit wissen.

"Längere Wartezeiten können im Krankentransport vorkommen, diese Wartezeit ist aber zu lange, vor allem für einen kranken Menschen", hält der Jurist fest und fügt an: "Es ist gut, dass Herr Kössner uns geschrieben hat, da wir anhand solcher Erfahrungsberichte Probleme im System aufzeigen können."

Dann holt Prunbauer zu einer Erklärung aus: "Die sogenannten Sekundärtransporte wurden mit Jahresbeginn 2026 neu geregelt. Damit sind Transporte zwischen Krankenhäusern in oder zwischen diesen und anderen Behandlungsstellen gemeint."

Erzähle uns deine Story!

Wurde dir eine Beihilfe gestrichen? Kannst du dir das Leben kaum mehr leisten? Ist dir gerade etwas besonders Trauriges, Witziges oder Erstaunliches geschehen? Bewegt dich ein anderes Thema? Bist du der Meinung, dass deine Geschichte erzählt werden sollte? Dann melde dich bei uns unter [email protected]. Denn deine Story ist uns wichtig!Mail an uns

"Keine politische Entscheidung"

In Niederösterreich werden diese Transporte (bis auf wenige Ausnahmen) nur von den Johannitern durchgeführt. Das sei keine politische Entscheidung gewesen, stellt Prunbauer gegenüber "Heute" fest, denn: "Die Landesgesundheitsagentur (LGA) hat die Durchführung der Sekundärtransporte ausgeschrieben und die Johanniter haben den Zuschlag erhalten."

Forderung nach breiter Zusammenarbeit

Dann hat Jurist Prunbauer einen pragmatischen Vorschlag: "Unsere Forderung ist, dass bei absehbar langen Wartezeiten und besonders bei dringenden Transporten das nächste freie Rettungsauto beauftragt wird, egal von welcher Organisation. Zur Wahrung des Patientenwohls muss es egal sein, welches 'Pickerl' am Rettungsauto klebt." Und der engagierte Jurist setzt noch nach: "Wir haben bereits die LGA aufgefordert, mit den Rettungsdiensten gemeinsam eine Lösung für das Problem zu suchen."

Erste zarte Bewegungen in der Debatte um Krankentransporte lassen hoffen, dass es zu Verbesserungen kommen könnte: "Heute gab es ein gutes Gespräch mit Herrn Landesrat Kasser (ÖVP), den Vorständen der Landesgesundheitsagentur und mir als Patientenanwalt", sagt Prunbauer. Seitens der LGA sei versichert worden, dass man sich rasch um eine Verbesserung bemühen und das Gespräch mit den Rettungsorganisationen suchen werde: "Überlange Wartezeiten sollen im Interesse der Patienten zukünftig jedenfalls vermieden werden", war demnach auch der Standpunkt der LGA.

LGA: "Flotte wird erweitert"

"Lange Wartezeiten können belastend sein", heißt es in einer Stellungnahme der LGA gegenüber "Heute". Ziel sei es, die Wartezeiten für Patientinnen und Patienten weiter zu reduzieren und die Abläufe laufend zu verbessern. "Die aktuellen Fälle haben bereits zu konkreten Verbesserungsmaßnahmen geführt: So sind aktuell fünf Fahrzeuge für Sekundärtransporte im Waldviertel unterwegs, die untertags auch in der Region verbleiben, auch wenn aktuell kein Einsatz vorliegt", erklärt eine Sprecherin der LGA.

"Des Weiteren wird die Fahrzeugflotte für Sekundärtransporte der Johanniter landesweit erweitert", bekräftigt die LGA und bestätigt, dass zusätzliche Fahrzeuge in die jeweilige Region verlegt werden sollen, wenn dort Bedarf festgestellt werden kann oder dieser bereits in der vorausblickenden Planung absehbar wird. Auch mit den Johannitern suche man das Gespräch: "Selbstverständlich gibt es mit allen Partnerorganisationen laufende Abstimmungen, um sicherzustellen, dass Abläufe optimiert werden."

Demgegenüber freut sich Herbert Kössner, dass nun diskutiert werde. Der 68-Jährige zweifelt aber daran, dass es auch wirklich zu signifikanten Verbesserungen kommen wird. "Als ehemaliger Gemeindemitarbeiter weiß ich, wie kompliziert solche Prozesse sind. Wir werden sehen, ob da mehr als Ankündigungen kommen", sagt Kössner. "Heute" bleibt dran.

{title && {title} } agh, {title && {title} } 07.02.2026, 05:00
Jetzt E-Paper lesen