Sie wollten die 35-h-Woche, bekommen haben sie 15 Stunden mehr Freizeit im Jahr: Bei den KV-Verhandlungen der OÖ-Ordensspitäler liegt jetzt ein Angebot am Tisch. Fraglich ist, wie zufrieden die Belegschaft damit tatsächlich ist. Vor allem angesichts der ohnehin teils dramatischen Arbeitsbedingungen. Wie hart der Alltag auf den Stationen ist, berichtet jetzt eine junge diplomierte Pflegekraft.
Schon in der Früh sei klar gewesen, dass der Dienst hart wird: eine fast volle Station, gleichzeitig habe eine Pflegeperson gefehlt. Dazu seien mehrere stark pflegebedürftige Patienten gekommen. Für die junge Frau habe das bedeutet: volle Verantwortung, kaum Pausen, durchgehende Anspannung.
"Ich war jung. Noch nicht lange diplomiert. Und plötzlich verantwortlich für fast zehn Patient:innen mit den unterschiedlichsten Bedürfnissen, Diagnosen und Nöten." Zwischendurch wurde laut ihrem Bericht ein junger Mann aufgenommen, dessen "Welt an diesem Tag zerbrochen" sei. Viel Zeit, das Erlebte einzuordnen, blieb aber nicht.
"Kaum war ich zurück auf meiner Station, wurde ich erneut gebraucht", schildert sie. "Eine junge Frau mit einer Suchterkrankung hatte Desinfektionsmittel vom Putzwagen getrunken. Es bestand akuter Handlungsbedarf." Gleichzeitig sei die Frau "massiv aggressiv" geworden, habe versucht zu beißen, gespuckt, getreten und das Personal beschimpft.
"In der Situation wurde ich verletzt und musste in der Unfallambulanz versorgt werden. Damit war nun eine weitere Pflegekraft weniger auf der Station." Als sie zurückkam, wurde sie direkt wieder von einer Patientin gebraucht: "Ich eilte in ihr Zimmer – innerlich noch völlig aufgewühlt von dem, was gerade passiert war. Kaum hatte ich den Raum betreten, wurde ich beschimpft."
Die habe ihr Vorwürfe gemacht, sie habe "keine Zeit für sie" gehabt. Weil sie mit niemand anderem sprechen wollte und die Pflegerin nicht sofort da gewesen sei, habe sie sich im Affekt selbst verletzt: "Ich versorgte die Wunde. Ich versuchte, ruhig mit ihr zu sprechen. Statt Dank hörte ich Vorwürfe. Es sei alles meine Schuld. Ich schluckte. Und blieb professionell."
Auch nach Dienstende ließ der Tag die Betroffene nicht los. Die Bilder seien geblieben, die Fragen auch. Sie habe sich gefragt, ob sie mehr Zeit hätte finden müssen und ob sich manches verhindern hätte lassen. Am nächsten Morgen, schreibt sie, sei sie dennoch wieder aufgestanden – "um eine weitere Zwölf-Stunden-Schicht unterbesetzt zu bewältigen".
In den KV-Verhandlungen für das nichtärztliche Personal ist das letzte Wort übrigens noch nicht gesprochen: Bis Mittwoch stimmt die Belegschaft über den Kompromiss ab. Wird das Angebot der Arbeitgeber abgelehnt, geht es wohl zurück an den Verhandlungstisch. Dem Vernehmen nach dürfte es aber angenommen werden.