Das Aus kam mit Ansage: Nachdem die Stiglechner-Gruppe bereits im Vorfeld massive wirtschaftliche Probleme offenlegte, hat das Landesgericht Linz nun ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung eröffnet.
Betroffen sind sowohl die Julius Stiglechner GmbH als auch ihre operative Tochtergesellschaft, die Stiglechner Tankstellen GmbH. Die Unternehmensgruppe zählt zu den bekanntesten privaten Mineralölhändlern Österreichs. Mit 85 Tankstellen im gesamten Bundesgebiet und rund 500 Beschäftigten war Stiglechner bisher ein fixer Bestandteil der heimischen Tankstellenlandschaft.
"Die Tankstellen in unserem Netz treten unter unserer eigenen Marke iQ und unter unseren Lizenzmarken Shell, Eni und bp auf", heißt es auf der Website des Unternehmens. Auch Eigentankstellen externer Betreiber werden über das Stiglechner-Netz beliefert. Doch der wirtschaftliche Druck wurde zu groß.
Die Gründe für die Pleite sind vielschichtig: In den Eigenanträgen ist von dramatisch gesunkenen Margen beim Treibstoffverkauf die Rede – ausgelöst durch die Ölpreisentwicklung seit dem Krieg in der Ukraine. Gleichzeitig belasteten hohe Finanzierungskosten durch gestiegene Zinsen die Bilanz schwer. Schon 2023 gab es erste Verluste, 2024 startete man einen Restrukturierungsprozess samt Suche nach Investoren.
Die Stiglechner-Geschichte beginnt 1923 mit einem Kohle- und Benzolhandel in Linz. Schon 1927 eröffneten die ersten eigenen Tankstellen. In den 1930ern baut das Unternehmen ein Netz entlang der Hauptstraßen rund um Linz auf. Nach dem Tod des Gründers 1941 übernehmen Tochter und Sohn. Ab den 1950ern wächst das Tankstellennetz rasant, 1956 startet die jahrzehntelange Partnerschaft mit Shell. In den 1990ern folgt eine Expansion in Ostösterreich, 1996 wird mit IQ eine eigene Marke für freie Tankstellen gegründet. Ab 2004 führt die vierte Generation das Unternehmen. Es folgen neue Produkte wie die IQ Card, der Ausbau nach West- und Südösterreich, Kooperationen mit Eni und Roth sowie neue Konzepte wie die Glanz Garage. 2023 wechselt man von Shell zu BP – und präsentiert die ersten Tankstellen im neuen Look.
Doch ein Übernahmeangebot scheiterte Ende 2025 – die Banken wollten auf Forderungen nicht verzichten. Als Konsequenz wurden die bestehenden Kreditvereinbarungen gekündigt und fällig gestellt. Die Folge: Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung.
Die Zahlen sind beachtlich: Die Muttergesellschaft weist Verbindlichkeiten von rund 166 Millionen Euro auf, bei der Tankstellen-Tochter sind es weitere 22 Millionen Euro. Insgesamt sind mehr als 280 Gläubiger betroffen.
Trotz der Insolvenz will man einen Neustart versuchen. Angeboten wird ein Sanierungsplan mit einer 20-Prozent-Quote, zahlbar binnen 24 Monaten – allerdings erst ab dem Zeitpunkt, an dem der Sanierungsplan rechtskräftig bestätigt und das Verfahren aufgehoben ist.
Gläubiger können ihre Forderungen noch bis 10. Februar 2026 anmelden. Die nächsten entscheidenden Gerichtstermine stehen ebenfalls fest: Am 24. Februar findet die Berichts- und Prüfungstagsatzung statt, am 24. März die Tagsatzung zur Abstimmung über den Sanierungsplan.