Nach den Enthüllungen Anfang Jänner, wonach beim Skispringen offenbar auch die Penisgröße eine Rolle spielen könnte, machte das Thema weltweit Schlagzeilen. Selbst in Ländern ohne große Skisprung-Tradition wie England, Australien oder Brasilien wurde über den ungewöhnlichen Wirbel berichtet.
Nun schaltet sich auch die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) ein. WADA-Präsident Witold Bańka erklärte bei den Olympischen Spielen in Italien: "Skispringen ist in Polen, meinem Heimatland, sehr beliebt. Ich versichere Ihnen, dass ich dieser Sache nachgehen werde." Generaldirektor Olivier Niggli sagte der BBC: "Ich kenne die Details des Skispringens nicht und weiß nicht, wie dies die Leistung verbessern könnte. Sollte etwas ans Licht kommen, würden wir es prüfen und bewerten, ob es mit Doping in Verbindung steht. Mit anderen Formen der Leistungssteigerung befassen wir uns nicht."
Hintergrund ist das Messverfahren der Anzüge: Vor Saisonbeginn werden alle Springer per 3-D-Scanner vermessen, dabei wird auch das Schrittmaß ermittelt, das am tiefsten Punkt im Genitalbereich ansetzt. Dieser Wert dient als Grundlage für die erlaubte Anzugfläche. Wird dieser Punkt nach unten verschoben, vergrößert sich automatisch die Fläche des Anzugs – ein potenzieller aerodynamischer Vorteil.
Berichten zufolge sollen einzelne Athleten in der Vergangenheit versucht haben, sich bei der Vermessung Vorteile zu verschaffen, etwa durch das Aufpolstern mit Schaumstoff oder sogar den Einsatz von Hyaluronsäure. Die Vermessung erfolgt dabei in Unterwäsche.
Seit dem Anzugsskandal bei der WM 2025 in Trondheim, als norwegische Springer des Betrugs überführt wurden, greift der Weltverband FIS deutlich härter durch. Materialchef Mathias Hafele sanktioniert bereits kleinste Abweichungen. "Ich kann ausschließen, dass mit sichtbaren Hilfsmitteln an den Geschlechtsteilen gearbeitet wird", sagte Hafele zuletzt. Bei den Messungen sei medizinisches Personal anwesend, das genau kontrolliere.
Gleichzeitig arbeite man an Verbesserungen des Systems. Ziel sei es, künftig die knöcherne Struktur als Referenz heranzuziehen und nicht die Weichteile. Dafür müsse die 3-D-Scanner-Methode angepasst werden. Dann, so Hafele, spiele auch die Penisgröße im Skispringen keine Rolle mehr.