Für Wolfgang F. ist das MEGI-Taxi in Melk weit mehr als eine günstige Möglichkeit, um von A nach B zu kommen. Der 66-jährige Pensionist ist aufgrund gesundheitlicher Probleme auf regelmäßige Fahrten zum Facharzt angewiesen. Doch seit August muss er mit seinen Taxi-Gutscheinen streng haushalten.
Das Melker Einkaufs- und Gastro-Taxi, kurz MEGI, gibt es seit September 2023. Eine Fahrt kostet mit Gutschein pauschal sieben Euro, bis zu vier Personen können gemeinsam mitfahren. Das Angebot gilt im gesamten Gemeindegebiet und kann täglich zwischen 7 und 22 Uhr genutzt werden.
Zuletzt konnte sich jeder Melker vier Gutscheine pro Tag holen, eine Begrenzung gab es nicht, erzählt Wolfgang F. Damit waren pro Person bis zu 120 Gutschein-Fahrten im Monat möglich. Seit August ist Schluss damit: Pro Monat gibt die Stadt insgesamt nur noch 300 Fahrscheine aus. Jeder Melker kann nun maximal acht Stück kaufen – für das ganze Monat. Wer zuerst kommt, der bekommt noch die heißbegehrten Taxi-Gutscheine. Alle anderen gehen leer aus.
"Am 13. August waren alle 300 Taxi-Gutscheine für Melk schon ausverkauft", erzählt Wolfgang F. enttäuscht im "Heute"-Gespräch. Für ihn wird das zum Problem. "Zweimal pro Woche fahre ich zum Facharzt, zusätzlich muss ich auch den Wocheneinkauf erledigen. Mit Hin- und Rückfahrt sind das schon sechs Fahrten in einer Woche", rechnet der Pensionist vor. Bleiben noch zwei geförderte Taxifahrten für den Rest des Monats.
Ohne Förderung wird es für ihn teuer. Für die rund 2,5 Kilometer lange Fahrt zum Facharzt müsse er regulär 15 Euro bezahlen. "Das kann ich mir einfach nicht leisten."
Der 66-Jährige lebt nach eigenen Angaben mit einer Behinderung von 75 Prozent. Nach einer schweren Grippe sei sein Herzmuskel geschädigt worden, seit 33 Jahren lebt er mit einer Herzklappe. Lange arbeitete er in einer geschützten Werkstätte in Sankt Pölten. Entsprechend niedrig falle heute seine Pension aus.
"Ich bin von Anfang an treuer Kunde, aber ich muss diese Gutscheine jetzt rationieren", sagt Wolfgang F. Muss er einkaufen oder erneut einen Arzttermin wahrnehmen, beginnt für ihn die Suche nach einer Alternative. "Ich muss mehrere Freunde anrufen, bis einer Zeit und ein Auto hat."
Wolfgangs Wunsch: "Dass diese begrenzten Gutscheine nur für uns Pensionisten gelten oder für gehbehinderte Menschen."
Vizebürgermeister Wolfgang Kaufmann (VP) bestätigt auf "Heute"-Anfrage die neue Begrenzung. Der Grund sei die angespannte finanzielle Lage der Stadt. Im Zuge der Konsolidierung habe der Stadtrat beschlossen, die Zahl der Gutscheine einzuschränken.
Dass die Gutscheine im August bereits am 13. des Monats vergriffen waren, zeige laut Kaufmann das große Interesse an dem Angebot. Bei der Stadt würden durch die Förderung Kosten "im höheren fünfstelligen Bereich" hängen bleiben. Zudem habe es in der Vergangenheit Melker gegeben, die Fahrscheine zu Hause gehortet hätten.
Eine Bevorzugung bestimmter Gruppen ist derzeit nicht vorgesehen. "Wir wollen mit dem MEGI-Taxi einen Benefit für alle Bewohner von Melk machen", erklärt Kaufmann. Profitieren sollen etwa auch Jugendliche oder Erwachsene ohne Führerschein.
Wolfgang F. muss also weiterhin genau nachrechnen, für welche Fahrt er einen seiner acht Gutscheine einsetzt und wann er wieder Freunde um Hilfe bitten muss.