Rund 200 Menschen stehen nach dem Tod einer jungen Forscherin im sibirischen Irkutsk unter Beobachtung oder wurden isoliert. Darja S. (28) starb an Lungenpest. Im Raum steht ein möglicher Unfall in einem Anti-Pest-Forschungsinstitut.
Der Fall beschäftigt mittlerweile auch die USA. Die Regierung von Präsident Donald Trump soll die Entwicklung in Sibirien genau verfolgen.
Bei der Lungenpest ist eine Übertragung über Tröpfchen von Mensch zu Mensch möglich. Für die US-Gesundheitsbehörde CDC würde ein Ausbruch dieser Form der Krankheit einen medizinischen Notfall darstellen.
In Washington sorgt der Fall auch deshalb für Aufmerksamkeit, weil noch zahlreiche Fragen offen sind. Dabei werden Parallelen zum Covid-Ausbruch 2020 gezogen, als ebenfalls zunächst klare Informationen fehlten.
Unklar ist weiterhin, wie sich die 28-Jährige angesteckt haben könnte. Einem Bericht zufolge soll S. am 25. September in dem Labor ein Reagenzglas mit Lungenpest-Erregern zerbrochen haben. Eine offizielle Bestätigung für diesen Ablauf gibt es nicht.
Andere kursierende Versionen gehen davon aus, dass sich die Wissenschaftlerin während einer Forschungsreise oder bei Feldarbeiten in einer Pest-Endemiezone infiziert haben könnte.
S. wurde mit Symptomen einer schweren Lungenentzündung in eine Klinik gebracht und musste künstlich beatmet werden. Später starb die 28-Jährige.
Moskau bestätigte bisher nicht, ob tatsächlich die Pest ihre Todesursache war. Folgeinfektionen wurden nach Angaben von Offiziellen bisher nicht gemeldet.
Das Krankenhaus, in dem die Forscherin behandelt worden war, wurde unter Quarantäne gestellt. In dem Gebäudekomplex befindet sich auch eine Geburtsklinik.
Die örtlichen Behörden bezeichneten den Fall als "besonders gefährliche Infektion". Gleichzeitig wurden in der Region Anti-Seuchen-Maßnahmen beschlossen. Veranstaltungen wurden abgesagt, zudem wurde das Tragen von Masken angeordnet.
Im 14. Jahrhundert starben in Europa bis zu 50 Millionen Menschen an der Pest, in manchen Regionen etwa die Hälfte der Bevölkerung. Auch heute kann vor allem die Lungenpest ohne schnelle Behandlung tödlich verlaufen.