Vier bis fünf Minuten lang betete sein Copilot im Cockpit – dann spürte Smit Machchhar plötzlich einen heftigen Schlag auf den Hinterkopf. Der 39-jährige Pilot der FlyDubai-Boeing von Dubai nach Tel Aviv hat nun neue Details über den versuchten Terroranschlag geschildert.
In einem Gespräch mit Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu berichtete Machchhar, wie ihn Copilot Hamam al-Hammami (29) während des Fluges attackiert haben soll.
Al-Hammami habe zunächst angekündigt, einige Minuten beten zu wollen. Machchhar schöpfte keinen Verdacht. "Viele Menschen in der Gegend beteten. Daran war nichts Ungewöhnliches", erzählte er.
Dann folgte die Attacke. "Plötzlich, nachdem er vier bis fünf Minuten gebetet hatte, spürte ich einen heftigen Schlag auf den Hinterkopf", so Machchhar. Zunächst dachte er an einen schweren Zwischenfall mit der Maschine. "Mein erster Gedanke war, dass das Flugzeug katastrophal beschädigt worden war (…). Aber dann hörten die Schläge nicht auf", erinnert sich der Pilot.
Al-Hammami soll ihn mit der Notfall-Axt aus dem Cockpit angegriffen haben. Zwischenzeitlich gelang es ihm offenbar, die Cockpittür zu schließen. Machchhar kämpfte sich jedoch zurück: "Da habe ich alles gegeben. Ich habe meine Kräfte mobilisiert, bin zur Tür gestürmt, habe sie aufgerissen, und zum Glück warteten dort Leute".
Passagiere überwältigten daraufhin al-Hammami und bewachten das Cockpit. Im Tumult versuchten Flugbegleiter zunächst, den Copiloten zu befreien, weil sie offenbar glaubten, ihr Kollege sei in Not. Als die tatsächliche Lage klar wurde, beruhigte sich die Situation.
Netanjahu lud Machchhar anschließend zum israelischen Unabhängigkeitstag ein. Dort soll er gemeinsam mit Indiens Premier Narendra Modi die Flamme der Unabhängigkeit entzünden – eine Ehre, die normalerweise israelischen Staatsbürgern vorbehalten ist.
In Israel wird unterdessen untersucht, warum der aus dem Oman stammende al-Hammami überhaupt nach Tel Aviv fliegen durfte. Da Oman und Israel keine diplomatischen Beziehungen pflegen, hätte er nicht im Cockpit sitzen dürfen. Ermittlungen ergaben zudem, dass er bereits eine Woche zuvor nach Israel geflogen war.