Technische Probleme haben am Sonntag den Start der Wahlen in Bosnien und Herzegowina überschattet. Vielerorts machte die neu eingeführte biometrische Technik Schwierigkeiten. Die Wahllokale sollten um 19 Uhr schließen, erste Ergebnisse wurden für den späten Abend erwartet.
Gewählt werden Regierungen und Parlamente des Zentralstaats sowie der beiden weitgehend autonomen Landesteile. Auch das dreiköpfige Staatspräsidium mit je einem Vertreter der Kroaten, Bosniaken und Serben wird bestimmt. Mit größeren Machtverschiebungen wird allerdings nicht gerechnet.
Das komplizierte politische System geht auf das Dayton-Abkommen von 1995 zurück, das den Bürgerkrieg mit rund 100.000 Toten beendete. Seither ist das Land in die Republika Srpska und die bosniakisch-kroatische Föderation geteilt. Die Führung des serbischen Landesteils strebt eine Abspaltung an, die von der internationalen Gemeinschaft abgelehnt wird.
In der bosniakisch-kroatischen Föderation fordern bosniakische Parteien dagegen einen stärkeren Zentralstaat. Präsidiumsmitglied Denis Becirovic verwies auf juristische "Siege" gegen die "Separatisten" und kündigte einen neuen Anlauf für eine Annäherung an EU und NATO an.
Experte Adnan Cerimagic von der European Stability Initiative sieht bislang wenig Bewegung: "Die regierende Koalition hat fast keine Fortschritte seit 2024 gemacht, weder bei Reformen noch darin, das Land näher an die EU oder die Nato zu bringen".