Wenn Bibi Waldstein den Sack Karotten schüttelt, gibt es bei Jack und Wendy kein Halten mehr. Die Mini Shetland Ponys sind sind sofort am Start – sehr zur Freude der kleinen Clara. Die Zweijährige reitet am liebsten auf Jack und strahlt über's ganze Gesicht.
"Kinder glücklich machen", das sei das Ziel, betont Bibi Waldstein. Die gelernte Immobilienfachfrau hat gemeinsam mit Partnerin und Bereiterin Julia Dunker den Reit- und Ponyclub in der Seestadt gegründet.
"Ich bin als junges Mädchen viel geritten. Durch meine Tochter ist diese Liebe wieder aufgeflammt und wir haben ein Pony gekauft", berichtet Waldstein. In einem Reitstall im Prater lernte sie Julia Dunker kennen, ihrerseits Bereiterin und Reitlehrerin. Gemeinsam entstand die Idee zu einem eigenen Projekt, doch die Standortsuche nahm einige Zeit in Anspruch. "Ich habe viel recherchiert und bin dann auf die Seestadt gekommen. Dort fand man die Idee gut, also haben wir hier einen Grund gepachtet."
Seit März leben fünf Ponys auf einer Koppel gegenüber des Bildungscampus Liselotte Hansen-Schmidt. Eine wetterfeste Stallung sorgt für einen Rückzugsort, daneben steht ein Wohnwagen, aus dem Waldstein und Dunkel ihre Projekte planen. Der Naturidylle stehen die Wohnkomplexe der Seestadt gegenüber – eine spannende Kombination.
Der Plan: Groß und Klein spielerisch an die Welt der Pferde heranführen. "Ein klassischer Reitbetrieb sind wir nicht", stellen die Inhaberinnen klar. Angeboten werden unter anderem Pony-Spaziergänge, ein "Ponyführerschein" oder unterschiedliche Events (Osterfeiern, Nikolo, Geburtstage), bei denen vor allem den Kindern der Umgang mit den Tieren näher gebracht wird. "Wir wollen vermitteln, wie man mit Pferden umgeht, wie man sie putzt, was sie essen dürfen, aber auch wie man Ängste abbaut", so Waldstein. Kurz: "Ein ganzheitlicher, aber niederschwelliger Zugang."
Das Team komplettieren zwei Reitpädagoginnen, die ihren Fokus auf therapeutisches Reiten für Kinder mit besonderen Bedürfnissen legen. "Es geht vor allem um das Thema Körperspannung und zu merken, wie schön es ist auf dem Pferd zu sitzen und die Bewegung zu spüren, den Körper dabei wahrzunehmen", so die Chefin.
In der Umgebung sorgen die neu eingezogenen Pferde bereits für Aufsehen. "Die Kinder aus der Schule kommen gerne vorbei, streicheln die Tiere und freuen sich", erzählen die Wienerinnen. "Wer hat die Möglichkeit, in der Stadt so nahe bei Pferden zu sein?" Probleme habe es bisher keine gegeben: "Wir haben Schilder aufgehängt, dass die Ponys nicht gefüttert werden dürfen. Wenn sie keine Lust mehr haben, gehen sie einfach weg. Und es hat ja auch einen pädagogischen Aspekt, Kindern zu erklären, wie man mit den Pferden umgeht. Es ist so wichtig, dass Kinder Tiere um sich haben und wissen, was diese brauchen", so Waldstein.
Günstig ist die Haltung nicht, betonen beide, doch die Preise möchte man moderat halten, so die Inhaberinnen. "Reich werden wir damit nicht, aber das war auch nie der Plan." 15 Minuten Ponyreiten kommen auf 15 Euro, ein halbstündiger Spaziergang mit zwei Kindern auf 45 Euro. Auch eine Elternbildung zum Thema "Unsicher im Umgang mit Pferden" wird um 35 Euro angeboten. Mehr zu den Angeboten und Preisen gibt es auf Instagram oder unter der Nummer 0670 4092300. Betrieb ist von Freitag bis Dienstag, auf Anfrage können Termine vereinbart werden.