Österreich steuert auf einen massiven Personalmangel in der Pflege zu. Bis 2050 könnten rund 750.000 Menschen Pflegegeld beziehen, gleichzeitig werden in den kommenden Jahren bis zu 70.000 Fachkräfte fehlen. Die Caritas fordert deshalb einen breiteren Blick auf die Versorgung – und will die Sozialbetreuung gesetzlich stärker anerkannt wissen.
"Wer nur nach Pflegepersonal sucht, verkennt die Lebensrealität der Menschen. Ein Großteil der Menschen – vor allem im Alltag, in Familien oder bei Demenz-Erkrankung – braucht Betreuung und keine medizinische Pflege", sagt Caritas-Präsidentin Nora Tödtling-Musenbichler.
Gerade bei älteren Menschen und Personen mit Demenz gehe es häufig darum, Selbstständigkeit und Lebensqualität möglichst lange zu erhalten. Altenarbeit könne dabei eine wichtige Rolle spielen. Trotzdem würden Fachkräfte der Sozialbetreuung laut Caritas bei Personalschlüsseln und Tarifsystemen noch immer zu wenig berücksichtigt.
Wie groß das Potenzial bei den Nachwuchskräften ist, zeigt eine aktuelle Caritas-Befragung unter 575 Auszubildenden. 89,4 Prozent wollen langfristig in ihrem Beruf bleiben. Als wichtigste Gründe für die Ausbildung nennen die Befragten die Freude an der Arbeit mit Menschen, eigene Vorerfahrungen und den Wunsch, etwas Sinnvolles für die Gesellschaft zu leisten.
Gleichzeitig gibt es klare Baustellen: 24 Prozent wünschen sich mehr Personal, 21 Prozent mehr gesellschaftliche und finanzielle Anerkennung. 20 Prozent nennen bessere Arbeitsbedingungen und verlässlichere Dienstpläne.
Auch Auszubildender Bernhard N. (41) kennt die Probleme aus der Praxis. "Ich bekomme in meiner Arbeit so viel von den Menschen zurück", erzählt er. Doch gerade das Praktikum sei eine Belastungsprobe: "Die Teams auf den Stationen stehen unter großem Druck: Sie sollen uns anleiten, müssen das aber komplett zusätzlich in ihrem Arbeitsalltag unterbringen."
Die Caritas sieht daher die Politik am Zug und stellt vier Forderungen: Altenarbeit soll gesetzlich stärker angerechnet, die Ausbildung von Umsteigerinnen und Umsteigern verlässlich finanziert und mehr Praktikumsplätze geschaffen werden. Auch bei der Finanzierung der Schulinfrastruktur brauche es Unterstützung.
"Wir könnten morgen mehr Klassen eröffnen und damit dem Fachkräftemangel noch stärker entgegenwirken. Doch uns fehlen die Praktikumsplätze und die nötige finanzielle Unterstützung für die Schulinfrastruktur", sagt Ernst Sandriesser, Direktor der Caritas Kärnten und Vertreter der Caritas-Schulträgerin.