Beurlaubt, voller Bezug

Pflegeeltern-Mangel – Kinder kamen zu MA11-Mitarbeitern

Weil es zu wenige Krisenpflegeplätze gab, wurden Kleinkinder bei Mitarbeitern der MA 11 untergebracht – diese wurden bei vollem Bezug beurlaubt.
Wien Heute
10.05.2026, 22:00
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Der Stadtrechnungshof hat die Wiener Kinder- und Jugendhilfe (MA 11) erneut geprüft – und dabei brisante Details offengelegt. Wegen massiver Engpässe bei Krisenpflegeplätzen wurden ab Ende Juli 2025 sogar interne Mitarbeiter eingesetzt, um Babys und Kleinkinder bei sich zu Hause aufzunehmen.

Konkret übernahmen laut Bericht fünf Mitarbeitende aus Sozialarbeit und Sozialpädagogik Krisenpflegekinder im Alter bis zu zwei Jahren im eigenen Haushalt. Die Maßnahme sei als "Notlösung" eingeführt worden, weil sowohl Krisenpflegepersonen als auch institutionelle Krisenplätze für Säuglinge und Kleinkinder voll ausgelastet gewesen seien.

Mitarbeiter erhielten Sonderurlaub – bei vollem Bezug

Die betroffenen Mitarbeiter meldeten sich laut MA 11 freiwillig. Für die Betreuung erhielten sie Sonderurlaub im Ausmaß von drei Wochen bis knapp drei Monaten – bei weiterlaufendem Gehalt. Zusätzlich bekamen sie Krisenpflegekindergeld inklusive Zuschlägen. Darüber hinaus konnte auch Familienbeihilfe beantragt werden.

Der Stadtrechnungshof kritisiert diese Vorgehensweise scharf. Für die Unterbringung der Kinder bei Mitarbeitern sowie die zusätzlichen Zahlungen habe es "keine Rechtsgrundlage" gegeben. Außerdem seien die Mitarbeiter dadurch gegenüber regulären Krisenpflegepersonen finanziell bessergestellt gewesen.

Massiver Mangel an Langzeit-Pflegeplätzen

Besonders kritisch sieht der Stadtrechnungshof, dass bei den betroffenen Mitarbeitern keine regulären Eignungsprüfungen durchgeführt wurden. So fehlten etwa behördliche Abfragen wie Strafregisterauszüge oder Kontrollen durch Bezirkskommissariate. Auch Hausbesuche zur Überprüfung der Wohnsituation fanden nicht statt.

Zwar handle es sich bei den Mitarbeitern um ausgebildete Fachkräfte, dennoch hätte die MA 11 "für die Gewährleistung des Kindeswohles Sorge tragen müssen", heißt es im Bericht. Die Prüfer führen die außergewöhnliche Maßnahme auf einen massiven Mangel an Langzeit-Pflegeplätzen zurück – besonders für Kinder unter drei Jahren.

Neue WGs für Kleinkinder

Dadurch komme es zu langen Aufenthalten in der Krisenpflege und zu einem Rückstau im System. Die MA 11 verwies auf verschiedene Ursachen: offene Obsorgeverfahren, fehlende Dokumente und zu wenige Langzeitpflegeplätze. Um gegenzusteuern, wurden laut Bericht drei neue Langzeit-Wohngemeinschaften für Kleinkinder mit insgesamt 19 Plätzen geschaffen.

Kritik zum Prüfbericht kam von ÖVP-Familiensprecherin Sabine Keri: "Wenn grundlegende Sicherheitsstandards nicht eingehalten werden, gleichzeitig keine Kontrolle besteht und Mitarbeiter finanziell gegenüber Krisenpflegeeltern und Pflegeltern bevorzugt werden, dann brauchen wir uns nicht wundern, dass das System nicht funktioniert. Hier geht es um den Schutz von Kindern, und genau dieser Schutz wird derzeit nicht ausreichend gewährleistet."

Rascher Ausbau nötig

Auch die Familiensprecherin der Wiener Grünen, Ursula Berner, betont: "Das aufopferungsvolle Engagement der Mitarbeiter:innen ist beeindruckend, doch so weit dürften es die zuständige Stadträtin Emmerling und die MA11 niemals kommen lassen. Es ist seit Jahren bekannt, dass die Krisenzentren unter enormen Engpässen leiden. Es braucht einen raschen Ausbau sowohl bei den Krisenpflegeeltern als auch in den Krisenzentren."

Bereits im Jänner 2024 hatte der Stadtrechnungshof einen Prüfbericht zur MA 11 veröffentlicht. Darin wurden insgesamt 31 Empfehlungen ausgesprochen. Von diesen 31 wurden bisher allerdings nur elf umgesetzt, 14 befinden sich gerade in Arbeit und fünf weitere sind geplant. Eine Empfehlung soll hingegen gar nicht realisiert werden.

Zahl der Pflegeeltern-Bewerbungen sinkt

Weiterhin großen Handlungsbedarf sieht der Stadtrechnungshof auch bei der Aufnahme von Pflegeeltern: Zwar wurden Folder erstellt, TV-Auftritte organisiert und Informationsveranstaltungen angeboten, dennoch sank die Zahl der Bewerbungen potenzieller Pflegepersonen deutlich. Gab es 2022 noch 127 Bewerbungen, waren es 2024 nur noch 78.

{title && {title} } red, {title && {title} } 10.05.2026, 22:00
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