Wiens Kinder- und Jugendhilfe (MA 11) steht massiv unter Druck: Immer mehr gefährdete Kinder, immer weniger Personal – und im Vorjahr sogar ein Aufnahmestopp in den städtischen Krisenzentren. Die Grünen Wien sprechen von einem dramatischen Versagen der Stadtregierung und bringen am Mittwoch eine Dringliche Anfrage im Landtag ein.
"Es reicht nicht mehr, auf neue Skandale nur mit Betroffenheit zu reagieren. Hier zeigt sich ein Versagen der verantwortlichen NEOS-Stadträt:innen Emmerling und zuvor Wiederkehr", kritisiert Parteichefin Judith Pühringer am Montag kurz vor der Grundsatzrede der Neos-Stadträtin zum Thema Elementarbildung.
Tatsächlich sind die Zahlen alarmierend: Zwischen 2022 und 2024 stieg die Zahl der Gefährdungsabklärungen – etwa wegen Gewalt oder Vernachlässigung – von knapp 12.000 auf über 13.000. Gleichzeitig sank der Personalstand der MA 11 auf ein Rekordtief.
Auch die Krisenzentren sind am Limit: Laut Stadtrechnungshof lag die Auslastung im Vorjahr bei durchschnittlich 112 Prozent, heuer im ersten Halbjahr sogar bei 120 Prozent. Statt acht Kindern pro Gruppe wurden teils bis zu 13 aufgenommen – ein Zustand, der laut Bericht "keinen adäquaten Rahmen für belastete Minderjährige" bietet.
„Die MA 11, die eigentlich Schutzinsel und Anker für Kinder in Not sein sollte, schafft derzeit allerhöchstens eine Mangelverwaltung“Ursula BernerFamiliensprecherin Grüne Wien
Familiensprecherin Ursula Berner warnt: "Der dauerhafte Personalnotstand in der MA 11 und ihren Einrichtungen und die überbordenden Aufgaben für die Mitarbeiter:innen lassen kaum vertiefende Betreuung zu. Die MA 11, die eigentlich Schutzinsel und Anker für Kinder in Not sein sollte, schafft derzeit allerhöchstens eine Mangelverwaltung."
Besonders tragisch: Sieben Jugendliche starben 2025 in Wien an den Folgen von Drogenkonsum. Laut Grünen fehlen gezielte Angebote für suchtkranke Jugendliche und eine bessere Ausstattung der MA 11.
Die Forderungen der Grünen sind deutlich: ein kompletter Neuaufbau der Kinder- und Jugendhilfe, bessere Arbeitsbedingungen, mehr ambulante Angebote, kleinere Wohngruppen, ein neues Krisenzentrum-Modell – und sogar die Wiedereinführung des Jugendgerichtshofs.
"Löcher werden oberflächlich gestopft, während daneben neue Untiefen aufbrechen", so Ursula Berner – und fordert: "Jetzt braucht es Mut zu echten Reformen."