Im wöchentlichen Talk "Pro und Contra" (jeden Donnerstag um 22 Uhr auf Puls 4 und Joyn sowie auf Puls 24) diskutierten in der jüngsten Ausgabe ORF-Korrespondent Christian Wehrschütz und der deutsche Journalist Paul Ronzheimer über Propaganda im Krieg und wie gefährlich die Situation für Berichterstatter in Kriegsgebieten geworden ist. Gleich zum Auftakt gab es einen Schreckmoment: Wehrschütz zog eine Waffe, hantierte damit im Studio herum.
Die Aufklärung folgte: Es handelte sich um eine "Anti-Drohnen-Pistole", deren Funktion der ORF-Korrespondent beschrieb. Die Waffe sei "noch nicht ganz ausgereift" und "die Kunst ist, dass man die Entfernung richtig abschätzt". Eine Ausbildung erfordere die Abwehr-Waffe indes nicht: "Wenn Sie wollen, bringen wir Ihnen das auch in zehn Minuten bei", so Wehrschütz zur Sendungs-Moderatorin Gundula Geiginger.
Der langjährige ORF-Kriegsberichterstatter war in der Ukraine nur knapp einer Drohnen-Attacke entkommen. Wie von "Heute" berichtet, befand sich der Journalist zu Recherchezwecken zusammen mit Kollegen im Osten der Ukraine, als das Fahrzeug, in dem sich die Gruppe befand, von einer wohl russischen Drohne ins Visier genommen wurde. Ein von Wehrschütz und dem ORF geteilter Clip zeigt die bangen Momente aus Konstantinowka.
Laut der Schilderung des erfahrenen Pressemannes habe sich der Kleinbus in einer Linkskurve befunden, als plötzlich das Kommando gekommen sei: "Raus aus dem Auto". Der Lenker habe das Fahrzeug gestoppt und unmittelbar danach seien alle vier Insassen aus dem Auto gesprungen. "Ich wusste, das kann nur eine Drohne sein", erklärte Wehrschütz im Nachgang. Der Sprengsatz auf der Drohne, so ist sich der militärisch ausgebildete Wehrschütz sicher, sei auch geeignet gewesen, einen Panzer abzuschießen.
"Man darf nicht vergessen, dass man in Gebiete fährt, wo es keine Frontlinie mehr gibt. Wir sind viele Kilometer durch diese Todeszonen gefahren, wo über der Straße Drohnennetze gespannt waren", so Wehrschütz auf Ö3. " Es kann dir immer passieren. Drohnen werden für Journalisten immer größere Bedrohungen." Eine Prognose, wann der Krieg in der Ukraine endet, will der ORF-Mann nicht abgeben. "Wenn keiner der beiden Kriegsparteien einbricht, kann ich kein rasches Kriegsende sehen", so Wehrschütz. "Es schaut im Moment nicht gut aus."
Der Angriff habe auch die Familie des Kriegsreporters schwer getroffen, erklärte er in der Sendung "Frühstück bei mir". Nach der Nachricht über den Drohnenbeschuss fuhren die Töchter des gebürtigen Steirers zu ihrer Mutter, verbrachten dort die Nacht. "Ich weiß, wie groß diese Nervenbelastung für meine Familie ist. Ich bin meinen Töchtern und meiner Gattin dankbar, dass sie das seit nun 25 Jahren aushalten, da es auch am Balkan immer wieder zu Spannungen kam." Hinter den Kulissen habe es niemals Diskussionen darüber gegeben.