Gesundheit

Politiker sollen im Kindergarten hospitieren

Um die Situation in den Kindergärten am eigenen Leib zu spüren, sollen Politiker im Mai einen Tag mit anpacken. ÖVP und Grüne haben bereits zugesagt.
Sabine Primes
10.04.2022, 21:53

Mehr Personal und kleinere Gruppen fordert die aus den privaten Kindergartenträgern Diakonie Bildung, Kinderfreunde, Kinder in Wien (KIWI) und St. Nikolausstiftung bestehende Initiative Elementare Bildung Wien. Die derzeitigen Verhandlungen zu einer neuen 15a-Vereinbarung zwischen Bund und Ländern seien eine Chance, die Rahmenbedingungen zu verbessern. Zur Veranschaulichung sollen Politiker von 16. bis 20. Mai eingeladen werden, einen Tag in einem Kindergarten zu hospitieren.

Morgenkreis & Co

Eingeladen werden sollen etwa Bildungsminister Martin Polaschek (ÖVP), die Bildungssprecher der Parlamentsparteien, der Wiener Bildungsstadtrat Christoph Wiederkehr (NEOS) und Fachleute aus dessen Büro, so KIWI-Geschäftsführer Thomas-Peter Gerold-Siegl. Sie können dann einen Tag vom Morgenkreis bis zur Verabschiedung mitmachen und anschließend ein Reflexionsgespräch absolvieren. "Dann können wir verfolgen, was sie mit den gewonnen Gedanken machen und wie sie diese umsetzen." Erste Freiwillige haben sich mit ÖVP-Wien-Bildungssprecher Harald Zierfuß und seinen Grünen Pendants Julia Malle und Felix Stadler bereits gefunden – die Forderungen der Träger unterstütze man jeweils, hieß es in Aussendungen.

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In den vergangenen Monaten hat das Personal der Privatkindergärten wegen der Arbeitsbedingungen (zu große Gruppen, zu wenig Personal) bereits zweimal Betriebsversammlungen im öffentlichen Raum abgehalten, die Einrichtungen blieben an diesen Tagen geschlossen. In Wien werden etwa zwei Drittel der Kinder in privaten Einrichtungen betreut.

Mehr Personal, bessere Bezahlung, Fortbildung, Sabbatical, Altersteilzeit

Allein bei den vier Trägern sind derzeit rund 300 Stellen für Pädagoginnen bzw. Pädagogen zu besetzen. Angesichts dessen klinge die Forderung nach kleineren Gruppen und einem besseren Fachkräfte-Kind-Schlüssel "paradox", hält die pädagogische Leiterin der St.-Nikolausstiftung, Susanna Haas, fest. Trotzdem müsse es das Ziel sein, dass in fünf Jahren zwei pädagogische Kräfte Vollzeit in jeder Gruppe arbeiten.

"Das geht nicht von heute auf morgen", meinte Haas. Mit einem Stufenplan könnte aber etwa jedes Jahr eine bestimmte Anzahl an Stunden dazukommen. So würde das bestehende Personal eine Perspektive bekommen und eventuell Menschen motiviert werden, in den Beruf zurückzukehren. Es gebe genügend ausgebildete Kindergartenpädagoginnen bzw. -pädagogen, die allerdings nicht oder nicht mehr im Kindergarten arbeiten.

Unterdessen fordert die Gewerkschaft GPA in einer Aussendung die Anwendung des Sozialwirtschafts-Kollektivvertrags für die Kinderbildung. Derzeit unterliege diese keinem Kollektivvertrag, es werde lediglich der Mindestlohntarif angewandt. Für die Beschäftigten würde dies viele Verbesserungen bringen – etwa eine 37-Stunden- statt einer 40-Stunden-Woche, früher mehr Urlaub, geregelte Vorbereitungszeiten und Regelungen für Fortbildungen, Supervision, Sabbatical und Altersteilzeit. Stadt und Bund sollten wiederum zusichern, die den Trägern entstehenden Mehrkosten zu übernehmen.

PCR-Lutschertests werden in Wien ausgeweitet

Die Stadt Wien hat wiederum angekündigt, im Kindergartenbereich nach und nach die Nutzung der PCR-Lutschertests bezirksweise auszuweiten. "Heute" hat berichtet.