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"Politische Agenda" - Rivale stellt sich vor Djokovic

Die australischen Behörden haben entschieden: Novak Djokovic erhält kein Visum, muss ausreisen. Einige Tennis-Konkurrenten stärken ihm den Rücken.
Erich Elsigan
16.01.2022, 11:20

Das Tauziehen um Novak Djokovic ist beendet. Elf Tage nach seiner Einreise nach Australien muss der Serbe das Land wieder verlassen. Das entschieden drei Richter am Sonntag in Melbourne.

"Ich bin extrem enttäuscht"

"Ich bin extrem enttäuscht. Ich fühle mich unwohl, dass ich der Fokus der vergangenen Wochen gewesen bin und ich hoffe, dass wir uns nun alle auf das Spiel und das Turnier, das ich liebe, konzentrieren können", meinte der 34-Jährige in einer ersten Reaktion. "Ich werde mir jetzt etwas Zeit nehmen, um mich auszuruhen und zu erholen, bevor ich darüber hinaus weitere Kommentare mache."

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Das Thema war freilich auch bei Djokovic' Tennis-Kollegen Thema Nummer eins. Spieler wie Rafael Nadal kritisierten den Serben. "Wenn er spielt, ist es in Ordnung, wenn nicht, werden die Australian Open auch ohne ihn ein großartiges Turnier sein", meinte der Spanier. "Ich bin mit vielen Dingen, die Novak in den letzten Wochen getan hat, nicht einverstanden."

Doch Djokovic hat auch Unterstützer. "Es ist ein Hin und Her, das man nicht so richtig versteht und wo man nicht so richtig mitkommt. Er wäre nicht hier hingeflogen, wenn er das Visum nicht gehabt hätte", sagt Alexander Zverev.

Noch deutlicher wird Vasek Pospisil. "Novak wäre niemals hergekommen, wenn er keine Ausnahmegenehmigung von der Regierung bekommen hätte. Er hätte das Turnier ausgelassen, wäre daheim geblieben und hätte Zeit mit seiner Familie verbracht. Niemand würde über das Thema sprechen. Es ist eine politische Agenda, das ist offensichtlich. Denn die Wahlen stehen an.  Es ist nicht die Schuld von Djokovic. Er hat niemanden gezwungen, ihn einreisen zu lassen. Er wäre auch daheim geblieben", schreibt der Kanadier auf Twitter. Pospisil selbst verbrachte im Dezember einige Zeit mit Djokovic. 

Die Chronologie im Fall Djokovic

10. Dezember: Für nicht gegen das Coronavirus geimpfte Spieler endet die Frist für den Antrag auf eine Ausnahmegenehmigung zur Teilnahme an den Australian Open.

16. Dezember: Der ungeimpfte Djokovic nimmt an einer Veranstaltung der serbischen Post in seinem Heimatland teil. Am Abend erfährt er von seiner Infektion. Das positive PCR-Ergebnis steht in Unterlagen, die seine Anwälte später den australischen Behörden vorlegen. Nach den Regeln in Serbien müssen CoV-Positive, die keine schweren Symptome haben, für 14 Tage in häusliche Isolation.

17. Dezember: Djokovic, der eigentlich in Monaco lebt, ist ohne Maske und Abstand Gast auf einer Preisverleihung für junge Tennisspieler in Serbiens Hauptstadt Belgrad.

18. Dezember: Djokovic hat ein Interview inklusive Fotoshooting für die französische Sportzeitung "L’Equipe".

22. Dezember: Djokovic hat einen weiteren Test gemacht. Ergebnis nach eigenen Angaben: negativ.

30. Dezember: Djokovic erhält seinen Anwälten zufolge eine Ausnahmegenehmigung für die Australian Open vom Medizinchef des Australischen Tennisverbands.

Jahreswechsel 2021/2022: Aufnahmen in sozialen Netzwerken zeigen Djokovic in einem Tennisclub im spanischen Marbella.

5. Jänner:Djokovic reist nach Australien. Weil er aus Sicht der Behörden nicht die nötigen Dokumente für eine Ausnahmegenehmigung vorlegt, wird ihm die Einreise verweigert. Er kommt in ein Abschiebehotel.

6. Jänner: Auf einer Pressekonferenz in Belgrad vergleicht Djokovics Vater seinen Sohn mit Jesus Christus: "Jesus wurde gekreuzigt, ihm wurde alles angetan, und er ertrug es und lebt immer noch unter uns", so Srdjan Djokovic. "Jetzt versuchen sie Novak auf die gleiche Weise zu kreuzigen und ihm alles anzutun."

10. Jänner: Ein Gericht in Melbourne gibt dem Einspruch von Djokovic statt und lässt ihn einreisen. Er darf sich frei bewegen. Wenige Stunden später steht er auf dem Trainingsplatz.

11. Jänner: Es wird bekannt, dass Djokovic in seinem Einreiseformular angegeben hat, er sei in den 14 Tagen vor dem Flug nach Australien nicht gereist.

12. Jänner: Djokovic äußert sich erstmals öffentlich zu dem Thema und räumt Fehler ein. Trotz positiven PCR-Tests habe er am 18. Dezember einen Interviewtermin mit "L’Equipe" wahrgenommen, die falschen Angaben im Einreiseformular seien jedoch ein "menschlicher Fehler" seines Agenten gewesen.

14. Jänner: Djokovic wird zum zweiten Mal das Visum aberkannt. "Heute habe ich von meinem Recht, das Visa von Herrn Novak Djokovic für ungültig zu erklären, Gebrauch gemacht", so Australiens Einwanderungsminister Alex Hawke in einer Erklärung, "und zwar auf der Basis, dass es im öffentlichen Interesse ist, so zu handeln." Er habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht und sorgfältig alle Unterlagen geprüft, die ihm die Immigrationsbehörden, der australische Grenzschutz und Djokovic vorlegten.

15. Jänner: Djokovic wird erneut in Gewahrsam genommen. Für Sonntagfrüh ist eine Anhörung vor Gericht geplant. Drei Richter sollen in Melbourne endgültig über den Verbleib oder die Abschiebung des Tennis-Superstars entscheiden.

16. Jänner: Ein Bundesgericht weist den Einspruch von Djokovic gegen die Annullierung des Visums ab und verweigert die Einreise. Der Weltranglistenerste darf nicht an den Australian Open teilnehmen und muss ausreisen.

Unterstützung bekommt Djokovic auch von Alize Cornet (Fr), Nummer 61 der Tennis-Welt. "Ich weiß zu wenig, um über die Situation zu urteilen. Was ich aber weiß, ist, dass Novak immer der Erste ist, der sich hinter die Spieler stellt. Aber niemand hat sich hinter ihn gestellt", meint die Französin.