Nach Zugunglück

"Polizei erklärt Bruder für tot, dann stand er vor mir"

Nach einem Zugunfall bekam eine Frau eine Info, die ihr Leben auf den Kopf stellte. Die Polizei sagte ihr, dass ihr Bruder ums Leben gekommen sei.
Newsdesk Heute
01.05.2026, 19:25
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Mitten in der Nacht, um 0.30 Uhr, läuteten Polizisten bei einer jungen Frau an. Sie überbrachten ihr die schreckliche Nachricht: Ihr Bruder sei bei einem Unfall mit dem Zug zwischen Burgdorf und Langenthal gestorben. "Ich wollte das in diesem Moment nicht wahrhaben, es war ein riesiger Schock", schildert sie die Situation.

Die Beamten beharrten darauf, dass es sich um ihren Bruder handle. "Sie sagten mir, sie seien sich zu 95 Prozent sicher – nur die DNA-Analyse stehe noch aus", erzählt die Frau weiter. Laut "20 Minuten" habe die Polizei erklärt, man habe ihn anhand seiner Tattoos und Muttermale identifiziert.

"Plötzlich stand mein Bruder vor mir"

Am nächsten Morgen, noch bevor die DNA-Ergebnisse vorlagen, suchte die Frau beim Polizeiposten nach Antworten. Sie entschloss sich, in die Wohnung ihres Bruders zu gehen – vielleicht, um einen Abschiedsbrief zu finden. Im Stiegenhaus traf sie den Vermieter, der meinte, er habe den Bruder gerade noch beim Zigarettenkaufen gesehen. Kurz darauf, vor dem Haus, passierte das Unfassbare: "Vor mir stand mein Bruder auf der Straße – in Fleisch und Blut."

"Meine Hände haben so gezittert, ich konnte kaum mehr stehen", berichtet die Frau. "Ich habe die Welt nicht mehr verstanden und mich vor allem verarscht gefühlt." Sie steht immer noch unter Schock: "Jeder Anruf löst bei mir jetzt Angst aus", sagt sie.

Polizei identifizierte Toten anhand von Fotos

Zusammen mit ihrem Vater und der Polizei klärte sich schließlich, wie es zu dieser dramatischen Verwechslung kommen konnte. Der Vater hatte am Dienstagabend beim Bahnhof auf den Sohn gewartet. Als dieser nicht kam und gleichzeitig eine Durchsage über einen Personenunfall lief, befürchtete er das Schlimmste. "Wir haben in den letzten Jahren schon zwei Familienmitglieder durch Suizid verloren", erklärt die Frau.

Suizidgedanken? Hol dir Hilfe, es gibt sie
In der Regel berichten wir nicht über Selbsttötungen - außer, Suizide oder Suizidversuche erfahren durch die Umstände besondere Aufmerksamkeit. Wenn du unter Selbstmord-Gedanken, oder Depressionen leidest, dann kontaktiere die Telefonseelsorge unter der Nummer 142, täglich 0-24 Uhr.
TelefonSeelsorge – Notruf 142
Kriseninterventionszentrum: 01/4069595

Aus Sorge schickte der Vater der Polizei Fotos seines Sohnes, auf denen auch Tattoos und Muttermale zu sehen waren. Wenige Stunden später tauchten die Polizisten zuhause auf und bestätigten, dass der Sohn angeblich verstorben sei.

Identität des Verstorbenen noch unbekannt

Die Kantonspolizei Bern bestätigt, dass es am späten Dienstagabend zu einem Unfall auf der Bahnstrecke Burgdorf–Langenthal gekommen ist. "Gemäß aktuellen Erkenntnissen müssen wir von einem Suizid ausgehen", sagt Polizeisprecher Philipp Gasser. Wer der Verstorbene tatsächlich ist, wisse man aber noch immer nicht.

In diesem Fall sei es "außergewöhnlich", dass der Vater, verunsichert durch das Ausbleiben seines Sohnes, selbst auf die Polizei zugegangen ist. "Bei Vermisstenmeldungen ist es üblich, dass wir rasch ausrücken, um alle Umstände zu klären", so Gasser.

Keine hundertprozentige Sicherheit

Das Foto des vermissten Sohnes wurde mit dem Verstorbenen vom Bahnunfall abgeglichen. "Nach dem Abgleich des Fotos sowie der weiteren Umstände und Hinweise war zu vermuten, dass es sich bei der verstorbenen Person um den Vermissten handeln könnte", erklärt Gasser. Ganz sicher sei das aber erst nach einer DNA-Analyse.

"Bevor die DNA ausgewertet werden konnte, stellte sich am folgenden Morgen heraus, dass es sich beim Verstorbenen nicht um den vermissten Mann gehandelt hat", betont Gasser.

DNA-Abgleich als letzter Schritt

Wie Verstorbene identifiziert werden, hängt immer vom jeweiligen Fall ab. "Grundsätzlich versuchen wir, so rasch wie möglich Klarheit zu schaffen", so der Polizeisprecher.

Wenn es konkrete Hinweise gibt, aber noch keine absolute Sicherheit, muss die Polizei manchmal schon vor dem DNA-Ergebnis auf Angehörige zugehen. "Dann können wir mittels DNA-Vergleich überprüfen, ob es sich um die vermutete Person handelt", sagt Gasser.

"Absolute Einzelfälle"

Bevor Angehörige mit so einer schweren Vermutung konfrontiert werden, prüft die Polizei alle Hinweise und Informationen so genau wie möglich. "Wenn die definitive Identifizierung, etwa mittels DNA, den ursprünglichen Verdacht nicht bestätigt, wird sofort Kontakt zu den Angehörigen aufgenommen", erklärt Gasser.

Solche tragischen Verwechslungen passieren laut Polizei aber sehr selten. Es handle sich um absolute Einzelfälle.

{title && {title} } red, {title && {title} } Akt. 01.05.2026, 19:33, 01.05.2026, 19:25
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