An der Grenze zwischen Kroatien und Serbien hat der Australier Daniel Jackson vor rund drei Jahren die Freie Republik Verdis ausgerufen. Das Gebiet ist etwa so groß wie 75 Fußballfelder und liegt direkt an der Donau.
Der 21-Jährige, der heute in Großbritannien lebt, ist selbst ernannter Präsident dieses Mini-Staates und verfolgt die Idee eines neutralen Landes, das als Treffpunkt für NGOs und Vermittler dienen soll.
Gemeinsam mit Gleichgesinnten suchte Jackson nach einem Landstrich, der von keinem Staat beansprucht wird. 2023 hissten sie schließlich die blau-weiß-blaue Flagge von Verdis, inspiriert von der Stadt Vukovar.
Das Staatswappen zeigt einen Weißstorch als Symbol für Widerstandsfähigkeit und Frieden, die Eiche steht für Stärke. Bereits kurz nach der Gründung griff die kroatische Polizei ein und sprach gegen Jackson ein dauerhaftes Einreiseverbot aus.
Wie NTV berichtet, glaubte die Gruppe zunächst, wirklich ein herrenloses Gebiet gefunden zu haben. Tatsächlich aber gehört das Land völkerrechtlich zu Kroatien. Laut dem kroatischen Innenministerium ist Verdis Teil eines ungelösten Grenzstreits und steht daher nicht zur freien Besetzung offen.
Die Grenze zwischen Kroatien und Serbien ist rund 217 Kilometer lang, ein Großteil davon verläuft durch die Donau. Beide Staaten sind sich nicht einig, wo exakt die Grenze verläuft. Dadurch entstehen kleine Gebiete, die von beiden Seiten nicht vollständig beansprucht werden. Trotzdem gibt es nach internationalem Recht kein echtes Niemandsland.
Serbien sieht die Situation offenbar gelassener, wie Jackson schildert. Ihm zufolge interessiert sich Belgrad kaum für Verdis, dennoch kann er auch von serbischer Seite aus das Gebiet nicht betreten.
Ein eigener Staat ist laut Völkerrecht aber nur möglich, wenn ein anerkanntes Territorium, ein Staatsvolk und eine staatliche Autorität vorhanden sind – und eine internationale Anerkennung besteht.
Jackson regiert seinen 'Staat' aktuell aus dem Exil in Großbritannien. Rund 400 Menschen haben mittlerweile die verdische Staatsbürgerschaft erhalten. Wer dazugehören will, muss ein Führungszeugnis, einen Eignungstest und Kenntnisse in Englisch, Kroatisch oder Serbisch vorweisen. Im Fokus steht laut Jackson derzeit die internationale Anerkennung. Man eröffnete bereits Niederlassungen in Serbien und Großbritannien und will Unternehmen die digitale Ansiedlung ermöglichen.
Verdis wird derzeit von einer Übergangsregierung geführt, der nächste Schritt soll eine Verfassung und die Durchführung von Wahlen sein. Jackson plant, bald eine Vertretung in der Europäischen Union zu eröffnen.
Vorbild ist der ebenfalls nicht anerkannte Balkanstaat Liberland, der 2015 gegründet wurde und sich ebenfalls den Grenzstreit zwischen Kroatien und Serbien zunutze macht. Auch hier bleibt die internationale Anerkennung bislang aus.