"Dieser riesige Hai schwamm im Mittelmeer". Das schreibt eine Userin erstaunt auf Facebook zu einem Video, in dem ein dunkler Schatten langsam seine Kreise unter der Wasseroberfläche rund um ein kleines Motorboot zieht. Eine spektakuläre Begegnung, die sich am vergangenen Wochenende weniger als einen Kilometer vor der französischen Küste von Port-La Nouvelle ereignete.
"Es handelt sich um einen Riesenhai – er ist schlicht der größte Knorpelfisch im Mittelmeer, kann bis zu 12 Meter lang werden und ist völlig harmlos", erklärt Matthieu Lapinski, Präsident der in Montpellier ansässigen Schutzorganisation Ailerons dem französischen Portal Midi Libre. Der Riesenhai (Cetorhinus maximus) ist nach dem Walhai die zweitgrößte Fischart der Welt.
Harmlos für den Menschen ist das riesige Tier, weil es sich um einen reinen Planktonfresser handelt. Mit weit geöffnetem Maul gleitet er durch das Wasser und filtert dabei Kleinstlebewesen aus dem Meer. Begegnungen mit Menschen sind selten und verlaufen in der Regel friedlich.
Warum sich das Tier gerade jetzt in Küstennähe zeigt, könnte mit seiner Fortpflanzungszeit zusammenhängen. Fachleute gehen davon aus, dass Riesenhaie saisonal in bestimmte Gebiete des Mittelmeers zurückkehren. Die Sichtungsperiode ist allerdings kurz – umso größer ist die Bedeutung solcher Aufnahmen für die Forschung.
Denn der Riesenhai gilt im Mittelmeer als stark gefährdet. Seit 2018 steht die Art auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion. Über ihre Lebensweise ist bislang nur wenig bekannt. Schutzorganisationen arbeiten daher an Projekten, um die Wanderbewegungen der Tiere besser zu verstehen. Geplant ist unter anderem, einzelne Exemplare mit Sendern auszustatten.
Nur einen Tag nach der Sichtung vor Port-La Nouvelle wurde ein weiteres Tier nahe Collioure gemeldet – ein Hinweis darauf, dass sich derzeit mehrere Individuen in der Region aufhalten könnten.
Auch in anderen Teilen des Mittelmeers sorgen die sanften Giganten immer wieder für Aufsehen. Erst kürzlich filmten Touristen einen Riesenhai in der Adria vor Kroatien. "Heute" hat darüber berichtet.