Die anhaltende Dürre trifft Österreichs Bauern hart. Auf vielen Wiesen ist kaum Futtergras gewachsen, Heuböden und Silos leeren sich schneller als geplant. Bereits jetzt müssen Betriebe auf Vorräte zurückgreifen, die eigentlich für den Winter gedacht waren.
Für viele Landwirte stellt sich damit eine schwierige Frage: Tiere halten und Futter zukaufen – oder den Bestand verkleinern. "Es gibt zwei Wege, mit Futterknappheit umzugehen: den Tierbestand reduzieren oder Futter zukaufen", sagt Johannes Schmidt von der Landwirtschaftskammer Österreich laut "Kleine Zeitung".
Die Folge ist auf den Schlachthöfen bereits spürbar. Laut Arge Rind kamen zuletzt "dreimal so viele Schlachtkühe zur Vermarktung" wie üblich. Von echten "Notschlachtungen" spricht Schmidt allerdings nicht. Dieser Begriff gelte für Tiere, die etwa wegen Verletzungen oder schwerer Erkrankungen geschlachtet werden müssen.
Aktuell handelt es sich vielmehr um vorgezogene Schlachtungen. Bauern reduzieren ihre Bestände früher, um die verbleibenden Tiere besser durch den Winter zu bringen. Häufig betrifft das ältere Tiere, während leistungsstarke oder wertvolle Zuchttiere eher gehalten werden.
Besonders in Ober- und Niederösterreich sind die Mengen außergewöhnlich hoch. Arge-Rind-Geschäftsführer Werner Habermann spricht von zwei- bis dreimal so vielen Kühen wie üblich. "Die Schlachthöfe fahren auf Anschlag", sagt er. "Um diese Jahreszeit habe ich das noch nie erlebt".
Auch die Futtersuche wird schwieriger. Neben Silomais kann teils auch Körnermais als Futtermittel verwendet werden. Für Biobetriebe ist der Spielraum wegen anderer Vorgaben geringer. Ganz ausgleichen lässt sich der Mangel aber nicht: Grünland bleibt mit rund 1,3 Millionen Hektar die wichtigste Futtergrundlage für Rinder in Österreich.
Kurzfristig drückt das größere Angebot auf den Preis für Kühe. Bis Ende August wurde der Preis laut Bericht eingefroren. Habermann appelliert an Handel und Großhandel, heimische Ware stärker zu verkaufen und auf ausländisches Rindfleisch zu verzichten. Normalerweise gehen rund 60 Prozent des in Österreich geschlachteten Rindfleischs ins Ausland – etwa in die Schweiz, nach Frankreich, Spanien oder in die Niederlande.
Im Supermarkt dürfte Rindfleisch vorerst trotzdem nicht billiger werden. Der Grund: Frisches Rindfleisch in Österreichs Regalen stammt überwiegend von Stieren, deren Schlachtzahlen stabil sind. Das Fleisch der derzeit stärker betroffenen Kategorien landet eher in der Verarbeitung, etwa für Burger und andere Rindfleischprodukte.
Ab Mitte 2027 könnte sich die Lage drehen. Entscheidend ist dann, wie viele Kälber wegen der aktuellen Futterknappheit nicht nachgezogen werden. Habermann rechnet für 2027 mit einer Verknappung. Weil auch andere EU-Länder unter Dürreproblemen leiden, könnten Importe diese Lücke womöglich nicht vollständig abfedern.