Klimaschutz

Produkte länger nutzen klimaschonender als Recycling

Umweltschützer schlagen anlässlich der Black-Friday-Week Alarm, denn unsere Wegwerfkultur hat massive Auswirkungen auf das Klima.

Lydia Matzka-Saboi
Unter dem Motto "Buy nothing – Make something" zeigen Greenpeace-Ehrenamtliche Alternativen zum Wegwerfkonsum.
Unter dem Motto "Buy nothing – Make something" zeigen Greenpeace-Ehrenamtliche Alternativen zum Wegwerfkonsum.
© Bente Stachowske / Greenpeace

An diesem Freitag, 25. November, ist Black Friday. Während der Handel Milliardenumsätze macht, freuen sich Konsumenten über vermeintliche Schnäppchen. Dabei spricht einiges gegen den Black Friday. Aus finanziellen Aspekten, aber auch aus Umweltschutzgründen.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hat untersuchen lassen, inwiefern sich eine längere Nutzungszeit von Produkten auf den Treibhausgas-Fußabdruck in Österreich auswirkt. Das beauftragte Forschungsunternehmen INFRAS untersuchte dafür Produkte in fünf Kategorien - Waschmaschinen, Laptops, Smartphones, Bekleidung und Möbel. Es zeigt sich deutlich: eine längere Nutzungsdauer ist aus Umweltsicht immer sinnvoll.

Würden in Österreich alle fünf untersuchten Konsumprodukte 50 Prozent länger genutzt, würde das 1,95 Mio. Tonnen CO2-Äquivalente (CO2eq - ist eine Maßeinheit zur Vereinheitlichung der Klimawirkung der unterschiedlichen Treibhausgase, die neben CO2 auch Methan, Lachgas, etc. erfasst) pro Jahr einsparen.

Das entspricht in etwa der Menge an Emissionen, die das letzte österreichische Kohlekraftwerk Mellach in drei Jahren emittiert hat. Greenpeace fordert mehr Anreize und bessere Möglichkeiten für Reparaturen in allen Produktbereichen sowie ein Vernichtungsverbot für neuwertige Waren.

Reparieren, Teilen und Wiederverwenden ausbauen

"Würde der Rest der Welt so konsumieren wie wir in Österreich, bräuchten wir drei Erden. Unser Ressourcenverbrauch ist absurd hoch", sagt Lisa Panhuber, Konsum-Expertin bei Greenpeace. Es sei an der Zeit, "die Produktionsweise und das Konsumverhalten grundsätzlich zu hinterfragen und das Reparieren, Teilen und Wiederverwenden massiv auszubauen."

Die Bundesregierung müsse sich jetzt in Österreich und auf EU-Ebene für strenge Kreislaufwirtschaft-Vorgaben einsetzen und ein Recht auf Reparatur, strenge Umweltvorschriften beim Produktdesign und ein Vernichtungsverbot sicherstellen.

Insgesamt belaufen sich die konsumbasierten Treibhausgasemissionen in Österreich pro Jahr auf mindestens 120 Millionen Tonnen. Im Pro-Kopf-Vergleich liegt Österreich damit unter den Top 25 Ländern mit dem höchsten Treibhausgas-Fußabdruck weltweit.

Etwa neun Prozent davon entfallen auf die Produktion von Konsumgütern, das sind etwa elf Millionen Tonnen CO2. Alleine 2,1 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente ließen sich jährlich allein dadurch einsparen, wenn beispielsweise alle Kleidungsstücke in Österreich doppelt so lange getragen werden würden.

Produkte länger nutzen schützt das Klima, ein paar Beispiele...

Würden alle in Österreich verkauften Kleider doppelt so lange (also vier Jahre länger) genutzt, würde dies den Treibhausgas-Fußabdruck (kurz THG) Österreichs um 2,1 Millionen Tonnen CO2eq pro Jahr reduzieren. Dies entspricht den jährlichen Emissionen von rund 100.000 durchschnittlichen österreichischen Haushalten.

Würden alle Waschmaschinen in Österreich um ein Drittel länger (also vier Jahre länger) genutzt, würde dies den THG- Fußabdruck Österreichs um 21.000 Tonnen CO2eq pro Jahr reduzieren. Dies entspricht den jährlichen Emissionen von 1.046 durchschnittlichen österreichischen Haushalten.

Würden alle Laptops in Österreich um 50 Prozent länger (also dreieinhalb Jahre länger) genutzt, würde dies den THG-Fußabdruck Österreichs um 87.000 Tonnen CO2eq pro Jahr reduzieren. Dies entspricht den jährlichen Emissionen von 4.259 durchschnittlichen österreichischen Haushalten.

Würden alle Möbel in Österreich um 50 Prozent länger (also fünf Jahre länger) genutzt, würde dies den THG-Fußabdruck Österreichs um 355.000 Tonnen CO2eq pro Jahr reduzieren. Dies entspricht den Emissionen von 17.327 durchschnittlichen österreichischen Haushalten. Würden sie sogar doppelt so lang (also 20 statt zehn Jahre) genutzt, dann reduziere sich der THG-Fußabdruck Österreichs um 533.000 Tonnen CO2eq pro Jahr, was den jährlichen Emissionen von 25.990 durchschnittlichen österreichischen Haushalten entspricht.

Würden alle Smartphones in Österreich um 50 Prozent länger (also eineinhalb Jahre länger) genutzt, würde dies den THG-Fußabdruck Österreichs um 56.000 Tonnen CO2eq pro Jahr reduzieren. Dies entspricht den Emissionen von 2.722 durchschnittlichen österreichischen Haushalten.