Österreich umgeht Blockade

Putin dreht Deutschland Pipeline für Kasachstan-Öl ab

Der Lieferstopp ab 1. Mai sorgt auch in Österreich für Unruhe. 57 Prozent der Öl-Importe kommen von dort. Warum bei uns trotzdem kein Engpass droht.
Nick Wolfinger
22.04.2026, 20:51
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Der Lieferstopp ab 1. Mai sorgt auch in Österreich für Unruhe. 57 Prozent unseres Öls kommen aus Kasachstan. Während Deutschland Probleme bekommt, hat Österreich aber einen entscheidenden Vorteil.

Berlin besonders betroffen

Vor allem die Raffinerie Schwedt bei Berlin steht unter Druck. Rund 20 bis 25 Prozent des dort verarbeiteten Rohöls kommen aus Kasachstan. Fällt diese Menge weg, würde die Anlage nur noch zu etwa 60 Prozent ausgelastet sein – zu wenig für einen wirtschaftlichen Betrieb.

Schwedt versorgt große Teile von Berlin und Brandenburg mit Benzin, Diesel und Heizöl. Ein längerer Ausfall der Lieferungen könnte daher direkte Auswirkungen auf die Spritversorgung in der Region haben.

Umwege statt Pipeline

Nach dem Stopp von russischem Öl war Kasachstan für Deutschland zu einem der wichtigsten Ersatzlieferanten geworden. 2025 wurden mehr als 2,1 Millionen Tonnen Rohöl über diese Route geliefert – ein deutlicher Anstieg gegenüber dem Jahr davor.

Moskau spricht offiziell von technischen Gründen. Kasachische Öllieferungen nach Deutschland würden ab kommenden Freitag "auf andere verfügbare Logistikwege umgeleitet", sagte der für Energie zuständige russische Vizepremierminister Alexander Nowak.

In Deutschland wird nun hektisch nach Alternativen gesucht. Zusätzliche Lieferungen könnten über die Häfen Rostock oder Danzig kommen. Allerdings sind auch dort die Kapazitäten begrenzt. Dennoch sieht das Wirtschaftsministerium in Berlin die Versorgungssicherheit in Deutschland dadurch nicht gefährdet.

Österreich hat vorgesorgt

Eigentlich müsste auch Österreich von der Unterbrechung der Pipeline massiv betroffen sein, da wir über einen südlichen Abzweiger in Belarus an der selben Leitung hängen. Als Ersatz für russisches Erdöl haben wir nach dem Wegfall der Russland-Importe voll auf Kasachstan gesetzt. Rund 57 Prozent der heimischen Ölimporte kamen im Vorjahr von dort, weit vor Libyen (14 Prozent) und Saudi-Arabien (12 Prozent).

Dass Österreich von dieser Unterbrechung nicht betroffen ist liegt an einer wichtigen Entscheidung: Unser Kasachstan-Öl wird über den Hafen Triest angeliefert. Dort wird es in die Trans-Alpine Leitung (TAL) gepumpt, die direkt mit der OMV-Raffinerie in Schwechat verbunden ist.

Rest-Risiko besteht trotzdem

Dass aber auch diese Route nicht komplett störungssicher ist zeigt ein Sabotage-Angriff im März. Nachdem ein Strommast zum Einsturz gebracht wurde fiel eine wichtige Pump-Station der TAL-Pipeline in Norditalien für drei Tage aus. In diesem Zeitraum mussten die betroffenen Raffinerien auf ihre Ölreserven zurückgreifen.

Außerdem wird auch unser Kasachstan-Öl zunächst über eine durch Russland führende Pipeline zum russischen Schwarzmeerhafen Noworossijsk gepumpt, bevor es auf Schiffe verladen wird.

{title && {title} } NW, {title && {title} } 22.04.2026, 20:51
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