"Drei Tage lang kein Öl"

Sabotage-Alarm an wichtiger Öl-Pipeline nach Österreich

Sabotage-Verdacht bei wichtiger Öl-Pipeline: Ein beschädigter Strommast nahe Kärnten gibt Rätsel auf. Gezielte Manipulation wird nicht ausgeschlossen.
Newsdesk Heute
12.04.2026, 17:00
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Ein beschädigter Strommast sorgt für Aufregung rund um eine der wichtigsten Ölverbindungen Europas – nun ermitteln Behörden wegen möglicher Sabotage.

Im Fokus steht ein Knotenpunkt der Transalpinen Ölpipeline (TAL), die vom Hafen Triest über Österreich bis nach Deutschland führt. Ende März wurde in einem abgelegenen Gebiet nahe Tolmezzo (Provinz Udine), unweit der Kärntner Grenze, ein Hochspannungsmast schwer beschädigt. Laut Ermittlern soll dieser mit einer Brennschneidflamme bearbeitet worden sein – ein Vorgehen, das auf gezielte Manipulation hindeuten könnte.

Video soll Sabotage zeigen

Zunächst war noch von einem möglichen Erdrutsch als Ursache die Rede. Doch Videoaufnahmen der RAI-1-Nachrichten Tg1 sowie Aussagen von Zeugen vor Ort legen nahe, dass der Mast nicht durch natürliche Einflüsse zu Boden ging. Demnach wurde die Konstruktion an ihrer Basis durchtrennt.

Auffällig: Der Mast knickte zur Seite, was laut Ermittlern darauf hindeuten könnte, dass kein sofortiger Einsturz beabsichtigt war, sondern ein verzögerter Zusammenbruch – mit möglichen Folgen für die Stromversorgung der Pumpstationen entlang der Pipeline.

Versorgung der OMV-Raffinerie

Die TAL ist eine zentrale Infrastruktur für die Energieversorgung Mitteleuropas. Sie verläuft über 753 Kilometer und transportiert seit 1967 Rohöl von Triest nach Österreich, Deutschland und Tschechien. In Österreich gelangt die Leitung bei Kötschach-Mauthen ins Land, wo auch Öl für die OMV-Raffinerie in Schwechat abgezweigt wird. Von dort führt die Pipeline weiter Richtung Norden bis nach Kufstein und über die Grenze nach Deutschland. Versorgt werden unter anderem Raffinerien von OMV, Bayernoil, Unipetrol, Gunvor und MiRO.

Die Betreibergesellschaft TAL weist den Sabotageverdacht zurück. In einer Aussendung war von einer "normalen technischen Störung" die Rede. Demnach habe es im März einen "technischen Rückgang der Förderleistung" gegeben. Konkret sei am 25. März eine Pumpstation in Paluzza bei Udine auf Anweisung des Stromnetzbetreibers Terna abgeschaltet worden, um Reparaturen an einer beschädigten Leitung zu ermöglichen.

"Drei Tage lang kein Rohöl"

Die Auswirkungen waren dennoch spürbar: Mehrere Raffinerien mussten vorübergehend auf ihre Reserven zurückgreifen. "Wir haben bis zum 30. März, circa 2 Uhr, drei Tage lang kein Rohöl durch die TAL-Pipeline bekommen und aus unseren Rohölbeständen gelebt", erklärte eine Sprecherin von MiRO gegenüber der "Welt am Sonntag". Auch die Bayernoil-Raffinerien in Neustadt und Vohburg waren betroffen.

Während die Betreiber von einem technischen Problem sprechen, geht die Staatsanwaltschaft Triest einen anderen Weg: Sie ermittelt wegen möglicher Sabotage. Die Untersuchungen werden von Carabinieri und Polizei geführt, unterstützt von deutschen Geheimdiensten, berichten Medien aus Friaul. Hinweise auf die Täter gibt es bisher nicht, ein Bekennerschreiben liegt ebenfalls nicht vor.

Politisch sorgt der Vorfall ebenfalls für Reaktionen: Die FPÖ verlangt von der Bundesregierung "Aufklärung über die Bedrohungslage".

{title && {title} } red, {title && {title} } Akt. 12.04.2026, 17:12, 12.04.2026, 17:00
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