Bisher schlimmste Energiekrise

Mega-Ausfälle: IEA-Direktor warnt vor "schwarzem April"

Die Energiekrise übertrifft laut IEA-Chef Birol alle früheren Schocks. Bleibt Hormus dicht, drohen im April doppelt so hohe Ausfälle wie im März.
Team Wirtschaft
07.04.2026, 14:29
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Die Welt steuert laut Fatih Birol auf einen "schwarzen April" zu. Sollte die Straße von Hormus geschlossen bleiben, werde man "zwei Mal mehr" Ölverluste als im März sehen, warnt der Chef der Internationalen Energieagentur (IEA) im Gespräch mit der französischen Zeitung "Le Figaro". Schon jetzt sei er "sehr pessimistisch", weil der Krieg "eine der Arterien der Weltwirtschaft" blockiere.

Schlimmste Energiekrise aller Zeiten

Die aktuelle Krise habe eine historische Dimension. "Die Welt hat noch nie eine Störung der Energieversorgung in diesem Ausmaß erlebt", so Birol. Sie sei "schlimmer als die Krisen von 1973, 1979 und 2022 zusammen". Der Schock betreffe nicht nur Öl und Gas, sondern auch "Dünger, Petrochemie, Helium und viele andere Dinge".

Entwicklung Drama für Entwicklungsländer

Die Folgen treffen die Weltwirtschaft insgesamt. "Die Weltwirtschaft wird leiden", warnt Birol. Besonders hart treffe es Entwicklungsländer. Hohe Preise für Energie und Lebensmittel sowie steigende Inflation würden ihre wirtschaftliche Entwicklung bremsen. Viele Länder könnten zudem eine "sehr starke" Zunahme ihrer Auslandsverschuldung erleben.

Ölproduktion im Golf massiv eingebrochen

Im Golf ist die Produktion massiv eingebrochen. Die betroffenen Länder fördern laut Birol nur noch "etwas mehr als die Hälfte" ihres früheren Ölvolumens, beim Gas gebe es "gar keine Exporte mehr". Gleichzeitig wurden 75 Energieanlagen angegriffen, mehr als ein Drittel davon "schwer oder sehr schwer" beschädigt. Der Wiederaufbau werde "viel Zeit" kosten.

Lage auch im Irak dramatisch

Besonders dramatisch sei die Lage im Irak. Das Land habe "zwei Drittel seiner Öleinnahmen verloren" und steuere auf eine "wirtschaftliche Lähmung" zu. Rund 15 Millionen Menschen seien dort direkt von den Einnahmen aus Öl und Gas abhängig.

IEA gibt 20 Prozent ihrer Reserven frei

Um die Lage zu stabilisieren, haben die IEA-Staaten strategische Reserven freigegeben. Insgesamt handelt es sich um 400 Millionen Barrel – "die größte Freigabe der Geschichte". Das entspreche rund 20 Prozent der Bestände, 80 Prozent stünden noch zur Verfügung. Die Freigabe laufe schrittweise, zunächst in Asien, inzwischen auch in Europa und Nordamerika.

Wiederöffnung von Hormus "einzige echte Lösung"

Doch diese Maßnahmen reichen laut Birol nicht aus. "All das lindert nur den Schmerz", sagt er. "Die einzige echte Lösung ist die Wiederöffnung der Straße von Hormus." Solange diese geschlossen bleibe, werde die Weltwirtschaft "sehr großen Schwierigkeiten" ausgesetzt sein.

Iran-Krieg wird alles verändern

Kurzfristig empfiehlt die IEA, Energie zu sparen und effizienter zu nutzen. Gleichzeitig müsse der Ausbau erneuerbarer Energien beschleunigt werden. Langfristig erwartet Birol tiefgreifende Veränderungen. "Die Architektur des globalen Energiesystems wird sich verändern." Er sieht eine schnellere Entwicklung von erneuerbaren Energien, Kernkraft und Elektroautos.

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