Angesichts steigender Preise auf den Energiemärkten könnte bald ein massiver Eingriff erfolgen. Die Internationale Energieagentur (IEA) erwägt offenbar die Freigabe großer Mengen aus strategischen Ölreserven.
Wie das "Handelsblatt" und die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Insider berichten, könnte die IEA die Freigabe von bis zu 400 Millionen Barrel Rohöl vorschlagen. Ziel wäre es, den Preisdruck auf den internationalen Märkten zu senken.
Bereits im ersten Monat könnte mehr als ein Viertel dieser Menge auf den Markt kommen. Zwei mit den Gesprächen vertraute Insider erklärten gegenüber Reuters, dass die Freigabe in diesem Zeitraum 100 Millionen Barrel überschreiten könnte.
Unterstützung kommt laut Bericht auch aus Spanien. Die spanische Energieministerin Sara Aagesen habe sich demnach für den Vorschlag ausgesprochen, die größte Freigabe von Ölreserven in der Geschichte der IEA vorzunehmen. Eine offizielle Stellungnahme der Organisation liegt bislang allerdings nicht vor.
Die diskutierte Menge von 400 Millionen Barrel wäre deutlich größer als frühere Maßnahmen. Zu Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine im Jahr 2022 wurden rund 182 Millionen Barrel aus strategischen Reserven freigegeben.
Allerdings wurde damals nicht die gesamte bereitgestellte Menge tatsächlich vom Markt abgerufen. Auch aktuell rechnen Experten eher mit möglichen Versorgungsengpässen in Asien, während in Europa derzeit keine unmittelbaren Probleme erwartet werden.
Deutschland hat am Mittwoch angekündigt, einen Teil der Ölreserven freizugeben, wie es aus Regierungskreisen in Berlin heißt.
Seit der Gründung der Organisation im Jahr 1974 kam es erst fünfmal zu einer koordinierten Freigabe dieser Vorräte – etwa vor dem zweiten Golfkrieg 1991, nach den Hurrikans Katrina und Rita im Jahr 2005, während des Bürgerkriegs in Libyen 2011 sowie zweimal nach dem russischen Angriff auf die Ukraine 2022.
Auslöser der aktuellen Debatte ist die Situation im Persischen Golf. Seit Beginn des Iran-Kriegs am 28. Februar ist die Straße von Hormus de facto blockiert. Durch die Meerenge zwischen der arabischen Halbinsel und dem Iran verläuft normalerweise rund ein Fünftel des weltweiten Öl- und Flüssiggastransports. Das iranische Militär kontrolliert das Gebiet – die Preise für Öl und Gas sind seither stark gestiegen.