Sabotage wurde vertuscht

Pipeline-Anschlag: Österreich drei Tage ohne Öl!

Zunächst war nur von einem "Erdrutsch" und einer technischen Störung die Rede. Erst zwei Wochen später gaben die Behörden zu: Es war Sabotage!
Nick Wolfinger
15.04.2026, 14:39
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Ein gezielter Angriff auf die Stromversorgung der TAL-Pipeline sorgt für Aufregung. Drei Tage lang kam kein Öl nach Österreich. Die Pipeline deckt rund 90 Prozent der Ölversorgung in Österreich. Raffinerien in Süddeutschland meldeten sogar Versorgungsengpässe.

Angriff zunächst vertuscht

Besonders brisant: Der Angriff wurde zunächst zwei Wochen geheim gehalten. Schon am 25. März meldete der Netzbetreiber Terna die Beschädigung eines Strommastes in der Gemeinde Tolmezzo (Provinz Udine) nahe der Grenze zu Kärnten.

Drei Tage später knickte der Mast um. Die mehr als 12 Kilometer entfernte Pumpstation der TAL-Pipeline bei Paluzza, die das Öl über die Berge nach Kötschach pumpt, fiel aus, da die Leitung für Reparaturarbeiten gekappt werden musste.

Angeblich nur "technische Störung"

Der Öffentlichkeit wurde lediglich mitgeteilt, dass es eine "technische Störung" gegeben habe. Laut Medienberichten war zunächst von einem Erdrutsch als Ursache die Rede.

Am 12. April dann der Paukenschlag: Die Ermittler gehen von "Sabotage" aus, hieß es plötzlich aus Italien. Die Spuren am Tatort zeigen klar und deutlich, dass der Strommast mit einem Trennschneider "angesägt" worden war, sodass er mit etwas Verzögerung nachgab.

Staatsschutz ermittelt

Die Abteilung zur Bekämpfung organisierter Kriminalität der Gruppe für Spezialoperationen der italienischen Polizei übernahm die Ermittlungen. Die österreichische Direktion für Staatsschutz und Nachrichtendienst (DSN) stehe mit ihr im engen Austausch, heißt es dazu aus dem Innenministerium.

War Österreich gar nicht das Ziel?

Auch wenn die Pipeline für Österreich unersetzbar ist, da sie mit 90 % fast den gesamten Bedarf der OMV-Raffinerie Schwechat deckt, dürfte nicht Österreich das Hauptziel gewesen sein. Gegenüber der APA erklärte das Energieministerium in Wien, dass die OMV über genügend Ölreserven vor Ort in Schwechat verfüge, sodass die Produktion nicht eingeschränkt war.

Verlauf der Transalpine-Pipeline (TAL) von Triest nach Schwechat (Österreich), Karlsruhe (Deutschland) und Litvinov (Tschechien).
APA-Images / APA-Grafik

Die TAL führt nämlich vom Hafen Triest ausgehend über Tirol auch nach Deutschland und Tschechien, ist vor allem für die Raffinerien in Süddeutschland (100 %) sowie in Tschechien (50 %) die Hauptversorgungsleitung. Durch die dreitägige Unterbrechung aufgrund des Sabotage-Aktes mussten die Raffinerien auf ihre Lagervorräte zurückgreifen.

Drei Tage kein Öl-Nachschub

Laut einem Bericht der "Welt" kam es durch den Angriff mehrere Tage lang zu Versorgungsengpässen bei Benzin, Diesel und Kerosin in Bayern und Baden-Württemberg. Erst am 30. März um 2 Uhr früh konnte die Pipeline nach Reparatur der Stromversorgung wieder ihren Betrieb aufnehmen.

Kein Bekennerschreiben

Doch wer steckt dahinter? Da sich der Strommast Nr. 416 der 132-kV-Leitung Tolmezzo-Paluzza in gebirgigem, schwer zugänglichen Gelände befindet, gehen die Ermittler von einem gezielten Angriff auf die Ölversorgung Zentraleuropas aus, berichtet die italienische Zeitung "Il Messaggero".

Bei vergleichbaren Angriffen auf Strommasten in früherer Zeit gab es häufig Bekennerschreiben von anarchistischen Gruppen. Doch dieses Mal tauchte kein solches auf, berichtet "Il Messaggero".

Hinweise auf Geheimdienst-Beteiligung

Eine Spur führt auf den Balkan. Dort soll am 5. April nach Angaben der serbischen Regierung eine Bombe an einer Gaspipeline, die nach Ungarn führt, entdeckt worden sein. Die Ermittler untersuchen nun, ob es einen Zusammenhang der beiden Fälle gibt.

Die Vorgehensweise deute jedenfalls auf professionelle, internationale Akteure hin, zitieren italienische Medien die Ermittler. Die Anti-Mafia-Direktion Triest (DDA), eine Abteilung der ROS, übernahm den Fall. Nun werden etwa Satellitenbilder ausgewertet, um den Zeitpunkt des Angriffs auf den Strommasten besser eingrenzen zu können.

Ob möglicherweise Russland dahintersteckt, das seit Ausbruch des Ukraine-Kriegs wiederholt mit Stör- und Sabotageaktionen gegen Unterstützer der Ukraine in Verbindung gebracht wurde, kann aktuell weder bestätigt noch ausgeschlossen werden.

Pipeline ist Österreichs Versorgungsader

Die 1967 eröffnete TAL-Pipeline ist 753 Kilometer lang und transportiert Rohöl vom Hafen in Triest nach Deutschland, Österreich und Tschechien. Sie versorgt Raffinerien der OMV, Bayernoil und Unipetrol (Tschechien), Gunvor und MiRO (beide Deutschland). Mit 25 % ist die österreichische OMV der größte Gesellschafter des Pipeline-Unternehmens.

{title && {title} } NW, {title && {title} } Akt. 15.04.2026, 15:31, 15.04.2026, 14:39
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